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Plattformen - Fondsdepotbanken Am 20. September 2006 sprachen
Von der Pionierdienstleistung zur Standardadministration
Am Anfang der Plattform-Historie stand Mitte der 90er Jahre der Wunsch vieler Vermittler, den Kunden KAG (Kapitalanlagegesellschaft) übergreifende Fondsdepots mit konsolidierten Auszügen und einer zusammenfassenden Steuermitteilung bieten zu können. Der damalige Alltag der meisten freien Berater war, wie Peter Nonner sich erinnert, von selbst saldierten Exceltabellen und behelfsmäßig programmierten EDV-Lösungen beherrscht. Diese Nachfrage seitens der Vertriebe fiel nach Einschätzung von Rudolf Geyer in eine Zeit, in der sich viele Investmentgesellschaften ohnehin detaillierter mit ihren Wertschöpfungsketten auseinandersetzten, ihre Kernexpertisen überdachten und die Depotführung als einen kostenintensiven Teilbereich empfanden, dessen Optimierung oder Auslagerung zu prüfen sei. Vor diesem Hintergrund haben sich, wie Gerhard Lugert ausführte, einzelne Kapitalanlagegesellschaften dazu entschlossen, ihre vorhandenen Administrationsabteilungen von eindimensionalen Fondsabwicklern zu multifunktionalen Providern auszubauen, die große Teile der Produktpalette abdecken. Was in der Theorie noch vergleichsweise einfach klingt, erwies sich wie Hartmut Petersmann erklärte in der Praxis als kompliziert und kostspielig. So mussten ohne Erfahrungen in der "Multi-KAG-Welt" Lösungen für unterschiedliche Problemstellungen gefunden werden, z.B. für die Abwicklung von Anteilsbruchstücken im Sparplan- und VL-Geschäft, die Depotanalyse und das Reporting.
Der Kreis der Anbieter von Fondsplattformen hat sich im Verlauf der letzten Jahre schrittweise dezimiert. Wie die Beispiele AdvisorTech und FARAO zeigen, schieden nicht selten jene Akteure aus dem Rennen aus, die sich lediglich als Dienstleister ohne Handelslizenz verstanden und über keine Bankkonzerne und Investmentgesellschaften im Hintergrund verfügten, auf deren Erfahrungsschatz und Finanzierung sie sich hätten stützen können. Die Einnahmen aus der Depotverwaltung für die Muttergesellschaften waren in den Gründerjahren der heute führenden Fondsplattformen sicherlich hilfreich. Aktuell verwaltet die Frankfurter Fondsbank Investmentanteile im Wert von rund 12,5 Mrd. Euro, ebase 14 Mrd. Euro, Metzler (MFX) 6,5 Mrd. Euro, die Fonddepot Bank 20 Mrd. Euro und Funds Network 1,5 Mrd. Euro. Ein nennenswerter Anteil entfällt nach wie vor auf die Mütter Frankfurt Trust, Metzler, Fidelity, Allianz Global Investors sowie auf heutige Schwestergesellschaft der ebase, cominvest. Ein weiterer Verdrängungswettkampf und der Auftritt neuer Akteure ist grundsätzlich nicht auszuschließen, wird aber angesichts der Tatsache, dass der Markt durchaus Platz für mehrere Fondsplattformen bietet und die Eintrittsbarrieren allgemein als hoch empfunden werden, unwahrscheinlicher. In wieweit die Welt der Fondsplattformen sich mittelfristig zu einem Oligopol entwickelt, zu einer Szene, die von einigen wenigen Anbietern dominiert wird, hängt für Rudolf Geyer vor allem von der Frage ab, wie die Plattformen im Wettbewerb mit den Direktanlagebanken bestehen. Schließlich werden auch dort Lösungen für freie Vermittler angeboten und technische Standards gesetzt, die seitens der Plattformen zu halten sind. Am Ende geht es ohnehin um die gleichen Kunden, die entweder direkt, oder über Vermittler akquiriert werden sollen. Die Verschmelzung der Fondsservice Bank mit der DAB zeigt exemplarisch, wie groß die Synergien sind. Hartmut Petersmann brachte es auf den Punkt: "Wenn die Kunden der Direktanlagebanken mit ihrer Administration in der Summe zufriedener sind, als die Kunden der Fondsplattformen, die über freie Vermittler zu uns gekommen sind, müssen wir uns über die eigene Existenzberechtigung Gedanken machen".
Anlage-/ Registerkonten bei den einzelnen Kapitalanlagegesellschaften sind nach Einschätzung der Diskussionspartner auf Sicht der nächsten fünf bis zehn Jahre Auslaufmodelle. Ausnahmen werden wie immer die Regel bestätigen. Dauerhaft werden sich nach Ansicht von Rudolf Geyer und Peter Nonner alle Investmentgesellschaften die Frage stellen müssen, ob sie die Kosten für die Depotführung weiter sponsern und im Rahmen von Mischkalkulationen quersubventionieren, die entstehenden Kosten auf die Kunden abwälzen oder sich für eine Auslagerung entscheiden. Beschleunigend dürfte in diesem Zusammenhang die Tatsache wirken, dass die Anforderungen der Anleger und Berater an die Systeme und das Reporting wachsen. Die Fondsplattformen vernehmen den früher nur gelegentlich und mittlerweile häufiger an sie herangetragenen Wunsch der Anleger und Berater nach einer Kontoführung im Ausland, sehen aber bis auf weiteres keinen Handlungsbedarf. In wie weit aus vereinzelten Anfragen irgendwann einmal ein wirklicher Trend wird, hängt nicht zuletzt von der weiteren Harmonisierung der europäischen Finanzmärkte ab. Grundsätzlich werden zwar verschiedene Lösungen erwogen, Schnellschüsse, im Sinne von Kooperationen mit ausländischen Gesellschaften, sollen allerdings vermieden und der Sensibilität der steuerlichen Thematik Rechnung getragen werden. Einzeltitel bleiben auf den meisten Fondsplattformen unerwünscht! "Der regulatorische Rahmen der unabhängigen Vermittler, die unsere Zielgruppe darstellen, gibt uns das Tempo vor, indem wir das Sortiment erweitern" erklärte Rudolf Geyer auf dieses Thema angesprochen. Da dieser regulatorische Rahmen gerade durch die MIFID auf Fonds eindeutig begrenzt wurde, sah Hartmut Petersmann noch weniger Bedarf als früher, sich über Einzeltitel auf Fondsplattformen Gedanken zu machen. Zumal dieses Geschäft mit erheblichem Aufwand verbunden ist und seitens der Plattformen obendrein als margenschwach eingeschätzt wird. Vermögensverwalter, die dennoch Einzeltitel einsetzten wollen, werden diese Geschäfte zukünftig wohl in Kooperation mit anderen Bankinstituten abwickeln müssen. In wieweit sich hier die Mutterkonzerne der Fondsplattformen anbieten werden, blieb in der Diskussion offen. Hinsichtlich der Erweiterung des Sortiments um börsengehandelte Indexfonds (ETF), die bisher von den meisten Fondsplattformen nicht abgebildet werden können, wurde grundsätzlich Gesprächsbereitschaft signalisiert, falls man sich auf bestimmte Spielregeln verständigt und das Interesse, und damit der in Aussicht gestellte Umsatz den Aufwand rechtfertigt. Christoph Will verwies hinsichtlich der Erweiterung der Sortimente auf Erfahrungen des Hauses Fidelity in anderen Ländern, die mittelfristig auch zu Kooperationen oder gar Vernetzungen von Vollsortimentern mit Fondsplattformen führen könnten.
Welche Auswirkungen die MIFID auf die Arbeitsabläufe und den Alltag der Fondsplattformen haben wird, kann bisher nur erahnt werden. Die Rechtsabteilungen und Geschäftsführungen werden sich diesem Themenkreis in den nächsten Monaten zunehmend widmen müssen. Wie groß die Veränderungen im Einzelnen und in der Summe sein werden, hängt unter anderem davon ab, ob man sich auf 34c Vermittler und das Fondsuniversum konzentriert hat oder auch mit professionellen Mandanten kooperiert hat, die von der MIFID stärker betroffen sind. Zudem wird deutlich, dass sich die Formplattformen auf ihren "Execution-Only-Status" berufen werden, viele MIFID Herausforderungen, wie z.B. die Materiallogistik, also eher im Zuständigkeitsbereich der Vermittler und Kapitalanlagegesellschaften sehen. Dessen ungeachtet muss davon ausgegangen werden, dass das "Kleingedruckte" in den Anträgen und Aufträgen der Fondsplattformen in der Zukunft erheblich erweitert wird und die Vermittler sich überdies unter Umständen auch mit etlichen Zusatzerklärungen konfrontiert sehen werden. Fondsplattformen wollen Administratoren bleiben. Mit Blick auf die MIFID und die sich verschärfende Haftungssituation wollen sich die Fondsplattformen auch zukünftig weiterhin auf die Fondsabwicklung beschränken. "Von uns wird es auch in der Zukunft keine Empfehlungslisten oder hauseigene Vermögensverwaltungslösungen geben" erklärte Rudolf Geyer unter Zustimmung seiner anwesenden Kollegen. "Wir verstehen uns als Administratoren, die Instrumentarien zur Verfügung stellen, aber keine Anlageentscheidungen treffen". Die Wertschöpfungskette, also die Arbeitsteilung zwischen Produktgebern, Abwicklern und Beratern bleibt bestehen.
Mit Blick in die Zukunft wollen die Fondsplattformen verstärkt in ihre eigene Weiterentwicklung investieren. Dazu gehört z.B. eine bessere technische Kommunikation mit den Anlegern und Kunden (elektronische Briefkästen etc.) die Optimierung von Benutzeroberflächen, Transaktionen und Funktionalitäten, sowie auch die Schärfung von Analyseinstrumenten. Im Zusammenhang mit der geplanten Einführung von Cash-Konten steht im einen oder anderen Fall auch eine Lizenzerweiterung an. Verbesserungsbedarf wird allgemein auch im Rahmen der Erstellung von Steuermitteilungen gesehen, die in der Summe nur so gut und korrekt sein können, wie die seitens der Investmentgesellschaften gemeldeten einzelnen Daten. Die Fondsplattformen haben im Alltag der meisten unabhängigen deutschen Fondsvermittler einen festen Platz errungen. Ein ständig wachsender Teil des Neugeschäfts wird auf diesem Administrationsweg vermittelt und zunehmend auch ältere Bestände transferiert. Die Fondsplattformen haben in den vergangenen Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Beratungsqualität und -Effizienz geleistet, von dem Vermittler und Kunden profitieren. Die geplanten Weiterentwicklungen bestehender Systeme lassen erahnen welche Verbesserungen uns in der Zukunft noch erwarten. In wieweit sich die Tatsache, dass einige wenige "Akteure" diesen Markt beherrschen werden, eines Tages vielleicht auch negativ auswirkt, bleibt allerdings offen. |