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Hedgefonds PDF Drucken E-Mail
Am 17.06.2004 sprachen
  • Michael Fuchs (Union Alternative Assets)
  • Hermann Josef Hall (Sauren Fonds Research AG)
  • Jonathan Heller (Heller & Associates Ltd.)
  • Hans Jochen Kantenwein (Deutscher Investment Trust)
  • Dietrich Mang (Unico Asset Management)
  • Ghislain Perisse (Societe Generale Asset Management)
  • mit Björn Drescher, Drescher&Cie
  • Dirk Arning, Drescher&Cie

Hedgefonds

Hedgefonds: Der Markt wird es regulieren!

Auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner könnte man das Expertengespräch zum Thema Hedgefonds bringen, zu dem die Drescher & Cie Gesellschaft für Wirtschafts- und Finanzinformationen mbH am 17. Juni 2004 in ihre Redaktionsräume eingeladen hatte.

Die versammelten Experten waren sich einig, dass Hedgefonds zukünftig, wenn man so will als neue Assetklasse, ihre Daseinsberechtigung auf dem deutschen Markt haben werden. Allein schon von daher, als die Möglichkeit, der Short-Investments, vor dem Hintergrund uneinheitlicher trendloser Aktienmärkte und einer sich abzeichnenden Bond-Baisse eine entscheidende Alternative zu herkömmlichen Long-Investments darstellen. Gerne wird zudem auf die angelsächsischen Märkte verwiesen, in denen sich Hedgefonds bereits größere Marktanteile erobert haben und zu festen Bestandteilen des Fondsuniversums avanciert sind.

Die Entscheidung des deutschen Gesetzgebers für Hedgefonds wird von der Branche allgemein begrüßt. Im Detail wird ihm allerdings, um den Anlegerschutz bemüht, eine Überregulierung vorgeworfen, die den Initiatoren und Beratern, vor allem zu Beginn des Umgangs mit den neuen Produkten, das Leben erschwert. Hier setzen die Gesellschaften darauf, dass sich viele Dinge noch abschleifen, einspielen oder schlichtweg modifiziert werden. So bleibt zum Beispiel in der Praxis noch zu klären, wie Private &qout;Private-Placements&qout; für Single Hedgefonds sein werden, und vieles mehr.

Dass mit den Hedgefonds ein erheblicher Aufklärungs- und Schulungsbedarf entstehen wird, ist den Investmentgesellschaften bewusst. Der fachlichen Qualifikation der Berater kommt im Zusammenhang mit der zielgerichteten Vermittlung von Hedgefonds eine entscheidende Bedeutung zu. Dabei wollen die meisten Investmenthäuser ihre Dachhedgefonds vor allem als Retailprodukt zum direkten Absatz beim Endkunden verstanden wissen und die Singlehedgefonds als Portfoliobausteine für institutionelle Anleger und Fondspicker, die mit der Materie vertraut sind. Man könnte es auch so formulieren: Der Anleger soll das System verstehen, mit dem sein Dachhedgefonds arbeite, muß sich jedoch nicht mit Details belasten, der institutionelle Anleger soll vor dem Hintergrund erwarteter Börsenszenarien ausgewählte Einzelstrategien verfolgen und damit gleichsam sein eigener Hedgedachfondsmanager werden können.

Die Aufgabe der Dachhedgefondsmanager sehen die Initiatoren selbst zumeist in der Auswahl viel versprechender Strategien, der entsprechenden Gewichtungen dieser in einem Portfolio und der Suche nach den besten Zielfondsmanagern. &qout;Diesem aktiven&qout; Management sind allerdings in Folge der häufig mit den Hedgefonds einhergehenden Liquiditätsproblematik nicht immer so einfach zu realisieren.

Hinsichtlich hoher Kosten bei Verwaltungsgebühren und Erfolgsbeteiligungen verweisen die Produktanbieter auf den hohen Aufwand, den das Management von Dachhedgefonds angeblich verursachen soll. Welche Preise sich in diesem Zusammenhang als marktfähig erweisen werden, wird die Zukunft zeigen und auch in Relation zu den im einzelnen gebrachten Leistungen gesehen werden müssen.

Die Anleger scheinen sich derzeit in einer abwartenden Haltung gegenüber den neuen Produkten zu befinden. Die mit Zertifikaten vor schlechten Börsenhintergründen geweckten Interessen der Anleger scheinen sich nicht einfach auf die neue schöne &qout;Hedgefonds-Welt&qout; übertragen zu lassen. Zu groß scheint zunächst die Unsicherheit bezüglich Verfügbarkeit, Kosten und Ertrag zu sein.

Zitate

1. Block: Brauchen wir Hedgefonds in Deutschland?

Hall: Akzeptanz von Hedgefonds in angelsächsischen Ländern spricht für eine Daseinsberechtigung auch in Deutschland.

Heller: Deutschland hat Hedgefonds noch nötiger als andere Länder. Für die Diversifikation von Depots bei steigendem Risiko im Bond Bereich sind Hedgefonds nahezu unerlässlich. In diesem Zusammenhang ist Deutschland Nachholbedarf zu unterstellen.

Mang: Hedgefonds werden in Deutschland gebraucht. Frage jedoch, wer braucht was? Der Privatanleger muß über Hedgedachfonds an die Idee herangeführt werden. Der Singlehedgefonds wendet sich eher an insititutionelle Anleger und Kenner der Materie.

Heller: Ich sehe Singlehedgefonds als durchaus gute Instrumente für Investoren als Bestandteil eines größeren Portefeuilles.

Fuchs: Deutschland braucht Hedgefonds und will auch Hedgefonds. Stabile Renditen bei niedriger Volatilität.

Perisse: Hedgefonds sind die einzige Möglichkeit eine Shortstrategie zu verfolgen, was zur Diversifizierung von großer Bedeutung ist. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der erste Bear-Market in Bonds seit 30 Jahren bevorsteht.

Kantenwein: Die Zulassung von Hedgefonds wird nachhaltig den Finanzplatz Deutschland stärken und damit auch die dort ansässigen Produktproduzenten. Das zunehmende Anlegerinteresse an diesen Produkten muß befriedigt werden, damit die latente Gefahr des Kapitaltransfers ins Ausland verhindert wird.

2. Block: Nachfrage nach Hedgefonds: Verhaltener Start? Warum so viel in Zertifikaten, aber so wenig Nachfrage nach Fonds?

Kantenwein: Seit Auflage unserer beiden Dachhedgefons im März dieses Jahres hat sich das Volumen mit 350 Mio. Euro erfreulich entwickelt. Aber sicherlich müssen noch viele Marktteilnehmer erst noch lernen die Produkte einzuschätzen. Das ist jedoch nur eine Frage der Zeit.

Perisse: In Frankreich Verkauf von Hedgefonds auch über Supermärkte, Bsp. Carefour 150 Mio. Euro mit 30.000 Kunden.

Heller: Hedgefonds sollten nicht vorschnell als Retail-Produkt dargestellt werden. Deutschland versucht im Vorfeld aber alle rechtlichen Probleme zu klären. (Überregulierung). Fokuszierung auf große Namen von Hedgefonds-Advisorn muß hinterfragt werden. Es gibt in Deutschland eine Tendenz an große Namen zu glauben: der MAN Effekt.

Hall: Dachhedgefondsmanagement konsequente Fortsetzung des Fondsmanager orientierten Ansatz im Hause Sauren. Auch hier steht der Fondsmanager im Mittelpunkt.

3.Block: Rolle der Hedgedachfonds vs. Single Hedgefonds

Heller: Versteht der Investor den Kontext in dem Singlehedgefonds zu sehen sind? Gute Instrumente für den größeren Investor, der weiss, was er tut. Der Rest braucht auch Hedgefonds als einen der verlässlicheren Wege, stabile Rendite bei vergleichsweise niedriger Volatilität, und sollte sich zu diesem Zweck an einen guten Dachhedgefonds halten.

Mang: Der Kenntnisstand des Beraters sollte darüber entscheiden, ob es zum Einsatz von Single- oder Dachhedgefonds kommen sollte.

Fuchs: Dachhedgefonds für das Retailgeschäft, Singlehedgefonds wohl eher für institutionelle Anleger geeignet.

Kantenwein: Auf den Berater kommt es an.

4. Block Gesetzgebung

Kantenwein: Auf die Anlage- und Anlegergerechte Beratung kommt es hier besonders an. Denn beide Produkte haben unterschiedliche Eigenschaften und damit Funktionen. Die individuelle Vermögenssituation, das Anlageziel sowie die Risikobereitschaft des Kunden sind auch bei Hedgefonds die relevanten Entscheidungskriterien.

Fuchs: Bemühung des Gesetzgebers den Anlegerschutz in den Mittelpunkt zu stellen. Warnhinweise, bspw. sind von daher wichtig und richtig, haben aber zu weit geführt. Breit streuende Hedgedachfonds sind keine hochriskanten Investments vor denen der Anleger geschützt werden müsste. Risikoreichere Long-Strategieprodukte aus dem Bereich der Branchen- und Themenfonds können auch ohne Warnhinweis ge- und verkauft werden.

Mang: Das „Smoking can kill“ auf Zigarettenschachteln ist gegenüber den Warnhinweisen auf Dachhedgefondsprospekten vergleichsweise harmlos.

Kantenwein: Man muß das ganze als dynamischen Prozess der Aufklärung sehen. Richtiger Ansatz den Markt vorsichtig zu bearbeiten und organisches, und damit gesundes Wachstum der Teilbranche anzustreben.

Mang: Private Placement ist einerseits nirgendwo genau geregelt, aber die Vergangenheit hat gezeigt, worauf es den Aufsichtsbehörden ankommt. Jedes Institut muß nachweisen, dass es sich an eine ausgewählte Kundschaft gewendet hat und muß die Gedanken erklären können, die man sich in diesem Zusammenhang gemacht hat. Breite Werbung ist nicht möglich.

Heller: Ausländische Anbieter von Hedgefonds hält häufig eher die Unkenntnis der gesetzlichen deutschen Rahmenbedingungen von einem Marktengagement ab, als die Tatsache dem Transparenzprinzip gerecht werden zu müssen.

Mang: Der Gesetzgeber hat sich dafür entschieden Singlehedgefonds nur über Banken und Finanzinstitute vertreiben zu lassen, um den Personenkreis kontrollieren zu können, der diese Produkte vertreibt, was bei unabhängigen Vermittlern nicht möglich gewesen wäre. Eine auf diese Weise ebenfalls gezogene Linie der Beratungskompetenz kann indes nicht nachvollzogen werden.

Mang: Dieses Gesetz hat uns immens geholfen, um das Bewusstsein zu schaffen, dass es sich um eine neu Assetklasse handelt.

Block 5. Frage der Verfügbarkeit

Fuchs: Langer Anlagehorizont wird benötigt, aber der schnelle Ausstieg aus den Singlehedgefonds muß für Dachhedgefondsmanager und dessen Kunden möglich bleiben. &qout;Wichtig für uns: Im Extremfall die Möglichkeit zu haben, rauszukommen&qout;

Mang: Auch bei Aktienfonds wollen wir als Gesellschaft langfristige Engagements der Anleger sehen, und stellen trotzdem täglich Preise und nehmen Anteile auf Wunsch zurück. Warum also nicht auch bei Hedgefonds.

Heller: Der Wunsch der Anleger nach Verfügbarkeit ihrer Mittel in Hedgefonds, über Managed Accounts möglich, ist verständlich. Vielleicht geht von Deutschland auch eine allgemeine Entwicklung für die Hedgefonds in dieser Hinsicht aus. Der deutsche Markt ist so interessant, dass eine zunehmende Proportion der besten Anbieter sich an diesen Bedürfnissen orientieren wird.

Kantenwein: Auch für DIT Produkte gibt es einen organisierten Zweitmarkt für die Anteile über Dresdner Kleinwort Wasserstein. Wir haben uns also zu diesem Thema auch Gedanken gemacht, wollen aber an dem langfristigen Anlagehorizont der Produkte klar festhalten. Welches Modell, Managed Accounts mit kurzfristiger Verfügbarkeit, oder andere, sich am Ende durchsetzt, oder sich der größten Nachfrage erfreuen wird, wird die Zukunft zeigen.Fuchs: Die hundertprozentige Transparenz der Strategien der Singlehedgefonds für die breite Öffentlichkeit wäre für die Anteilsinhaber schädlich. Aber das Risikocontrolling ohne konkrete Details bezüglich der Positionen muß regelmäßig erfolgen und kann auch publik gemacht werden. Dieses Reporting hinsichtlich der Risiken ist gerade für institutionelle Investoren von entscheidender Bedeutung. Würde das Managed Account offen gelegt, wäre das nicht gut.

Perisse: In einen Hedgefonds zu investieren bedeutet einen konzentrierten Investmentprozess zu kaufen. Die Liquidität hängt dabei sehr stark von der Strategie ab. Ein Event Drive Fonds z.B, welcher hauptsächlich im Bereich Merger & Acquisition arbitriert, muss mindestens 3-6 Monate warten. Bis er die Gewinne realisiert. Daher kann ein solcher Fonds normalerweise keine Liquidität bieten.

Heller: Ohne Stile-Rotation geht es nicht.

Hall: Auch bei Hedgefondsmanagern braucht keiner hunderte oder tausende. Rund zwanzig etablierte und für gut befundene reichen aus. Das Verhältnis von Dach- und Zielfondsmanagern baut auf langjährige Kenntnis der Anlagephilosophie, detaillierte Analysen auf Vertrauen auf. Hall: Markttiming ist kaum möglich. Die Fondsmanagerauswahl bringt, das beweist das Konzept der Sauren-Fonds bisher, den nachhaltigeren berechenbareren Mehrertrag als die Stile-Rotation und das Markttiming.

Perisse: Es gibt Multistrategie-Hedgefonds, welche die Marktperformance eigenständig adaptieren. Wenn man jedoch Monostrategie-Hedgefonds in seinem Dachhedgefonds-Portfolio hat, welche sich in bestimmten Marktszenarien unterschiedlich verhalten, so muss man das Portfolio hinsichtlich der zu erwartenden Marktszenarien kalibrieren. Fonds, welche in einem Szenario gut performen, werden übergewichtet, solche die underperformen untergewichtet oder substituiert. Dies ist die Hauptaufgabe des Dachhedgefonds-Managements.

Block Kosten

Fuchs: Auf den ersten Blick ist es nicht ganz billig, wenn man Hedgefonds mit klassischen Fonds vergleicht. Es würde einen letztendlich teurer kommen, wenn man es selbst machen wollte. Man muß Unterschied zwischen Retail und institutionellem Geschäft mit Hedgefonds sehen. Im Retailgeschäft addieren sich zu den Managementgebühren auch die Kosten für den Vertrieb. Der höhere Managementaufwand, aufwendiges Research, muß auch honoriert werden. Es würde den Berater bei kleineren Beträgen teurer kommen das Research selbst zu betreiben, als die Mandate einem Dachhedgefondsmanager anzuvertrauen. Die Aufgabe des Dachfondsmanagers ist es die richtigen Styles zu suchen und in ein gelungenes Verhältnis zueinander zu setzen und dann auch noch die vielversprechendsten Manager für die einzelnen Strategien auszusuchen. Das ist eben aufwendig und kostet.

Kantenwein: Die Kostenstruktur ist keine Frage des Selbstbewusstseins einer Gesellschaft, sondern von Angebot und Nachfrage. Aktives und professionelles Management ist eine komplexe Leistung und ein Qualitätsmerkmal, das entsprechend vergütet werden muss. Der Markt wird jedoch darüber entscheiden, was marktkonform ist und dies entsprechend regulieren