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Angestellte versus freiberufliche Fondsmanager Am 25. November 2004 sprachen
"Gegen den Willen des Fondsmanagers geht nichts! Schon gar nicht Performance!" Sektor- und Fondsvergleiche belegen in den letzten Jahren eine erstaunliche Häufung erstklassiger Ergebnisse auf der Seite unabhängiger kleiner Fondsverwalter und Fondsboutiquen. Nicht selten zeigen sie dem Establishment in Form der Fondsmanager etablierter großer Häuser nur noch ihre Rücklichter. Was ist das Geheimnis ihres Erfolges? Ist es ihre Größe, oder eher ihre Unabhängigkeit? Bevor es um die Vorzüge von Freiberuflichkeit und Angestelltendasein ging, wurde bewusst einmal der Mythos des Berufsstandes "Fondsmanager" diskutiert und die Faszination hinterfragt, die für viele Anleger von ihm ausgeht. Hierbei konnten zunächst alle vier Gesprächspartner glaubhaft den Eindruck vermitteln, selbst mit beiden Beinen im Leben zu stehen und auf dem Boden geblieben zu sein, indes sehr wohl von der "Anbetung der Halbgötter in dunklen Anzügen" zu wissen. Die wahrscheinlich treffendste Erklärung für diesen Umstand fand Karl Fickel: "Die Größenordnungen in denen wir Gelder verwalten, wecken bei den Anlegern natürlich die Phantasie. Man überlegt doch gleich, was man sich dafür alles kaufen könnte. Wie viele Autos und Häuser wären das? Die Menschen denken doch, dass wir jeden Wichtigen aus der Wirtschafts- und Bankenelite kennen und sofort anrufen können. Sie halten die Fondsmanager für mächtig, auch wenn sie es nicht sind. Wer auf Knopfdruck Millionen verschiebt; ist für andere mächtig". Das häufig entstandene Bild vom "Fondsmanager als Börsenguru" sehen die vier auch durch die Presse begünstigt, die viele Fondsmanager in den Olymp hob und wieder aus ihm verstieß, die "Reichmacher" schuf und bisweilen später die selben als "Geldvernichter" abstempelte. Damit muß man leben können: In guten wie in schlechten Zeiten. "Man muß die kritische Selbstreflektion behalten", schloss Fickel seine Ausführungen zu diesem Punkt ab, "vor allem dann, wenn sich die Wahrnehmung mit der Geschwindigkeit verändert. Es geht nicht um die kurzfristigen Höhenflüge, sondern um langfristig gute Qualität. Wir wollen nicht die Größten sein, wir wollen zu den Besten gehören!" Den Einstieg in das Thema "Angestellte versus freiberufliche Fondsmanager" fand die Runde über eine weitere Ausführung Fickels: "Von wegen mächtig! Wie ohnmächtig Du als Fondsmanager bist, erfährst Du unter anderem dann, wenn die Mittelzuflüsse überhand nehmen, Du darum bittest, den Fonds schließen zu dürfen und Deine Gesellschaft mit den Worten ablehnt, warum, es läuft doch gerade so gut." Heute sieht er sich als Partner eines Investmenthauses, das ein klares Bekenntnis zu vertretbaren Fondsgrößen abgegeben hat, im Fall der Fälle in einer besseren Verhandlungsposition. "Als Unabhängiger kann man seine eigene Anlagekultur und seine eigenen Konzepte einfach besser verfolgen, als in einem großen Haus, das von vielen Zwängen geprägt ist" vertrat Winfried Walter seine Position. "Wenn ich mich doch nur auf zwanzig gute Titel konzentrieren will, dann möchte ich das auch können". Auf die Freiheiten im Angestelltenverhältnis angesprochen, vertrat Anko Beldsnijder die Auffassung, heute als Partner bei MainFirst die selben Freiheiten zu genießen, wie früher als angestellter Fondsmanager bei ABN AMRO. Er fügte allerdings hinzu, dass das damals auch daran gelegen haben könnte, dass die notwendigen Erfolge ständig vorzuweisen waren. "Wer Erfolg hat, kann sich auch in großen Organisationen persönliche Freiheiten erkämpfen", erklärte Fickel. Gewinne lässt man bekanntlich laufen! Bei Misserfolg, da waren sich alle einig, rollen Köpfe. Nicht selten auch die falschen. Nach dem Leistungsdruck in großen Häusern gefragt pointierte Dr. Leber: "Ich habe als Angestellter mehr davon Fehler zu vermeiden, als Risiken einzugehen". Das führte er nicht zu letzt auf die Zeithorizonte zurück, in denen die Leistungen ge- und bemessen werden. Als freier Fondsmanager habe er vollkommen andere Zeithorizonte und habe damit, nur dem eigenen Erfolg und dem der Anleger verpflichtet, langfristig bessere Voraussetzungen. "Wir haben Freiheitsgrade die andere nicht haben." Auf Teamansätze und Kollektiventscheidungen in großen Investmentgesellschaften angesprochen zeigte sich Dr. Leber überzeugt, dass die Stärken und Potentiale dieser Häuser häufig nur deshalb nicht besser ausgespielt werden können, weil die Prozessketten nicht funktionieren. Zu häufig werde über die Köpfe fähiger Leute hinweg entschieden. Die Global Player könnten in den Einzelergebnissen ungleich erfolgreicher sein, wenn sie die Stärken ihrer Mitarbeiter systematischer in Szene setzen würden und sich eher als Holding denn als zentralisiertes Institut verstehen würden. "Wenn man Fondsmanager zu etwas zwingt, ist es vorbei", erklärte Fickel und fügte hinzu: "Wer wirklich gut ist, ist Individualist". Fast war man an die vielen Köche erinnert, die den Brei verderben, als Anko Beldsnijder hinzufügte: "Sobald man den Anlageprozess teilt, ist das der Anfang vom Ende". Nach den Vorteilen des Angestelltendaseins bei großen Investmenthäusern befragt, wurden mehrere Teilbereiche diskutiert. Zum Beispiel der Umstand, aus der Größe eines Hauses heraus operieren zu können. "Wir haben beispielsweise eine Anfrage an den Vorstand von Karstadt Quelle gestellt, und wochenlang keine Antwort erhalten", erklärte Dr. Leber, "mit ein paar hundert Millionen oder gar Milliarden mehr, wird einem wahrscheinlich mehr Beachtung geschenkt". Das sahen auch die anderen so. Beim hauseigenen Research gingen die Meinungen allerdings auseinander. Während Winfried Walter Klartext sprach: "Die Research-Abteilung bringt mir gar nichts, der Input ist zu eingefärbt, die rohen Zahlen von Bilanzen erarbeite ich lieber selber", erklärte Beldsnijder, auf das Informationsnetzwerk und den Gedankenaustausch mit anderen nicht verzichten zu wollen. Um die Ausstattung der großen Organisationen, wie z.B. Reuters- oder Bloomberg-Terminals an jedem Arbeitsplatz beneidet Dr. Leber die Konkurrenz indes schon. Genauso auch um die Administrationsmaschinerie, die den Fondsmanager von allen sonstigen unternehmerischen Aufgaben befreit. Der Unabhängige muß den Vertrieb, das Reporting und andere Themen eben selbst gehändelt bekommen, was nach Aussage Lebers nicht selten mehr als die Hälfte der eigenen Arbeitskraft ist Anspruch nimmt. Gerade hier würde er sich wünschen, wenn die Unabhängigen unter Umständen eines Tages einmal gemeinsam nach Möglichkeiten des Outsourcings suchen würden. Freies Unternehmertum mit wirtschaftlichen Risiken oder sicherer Arbeitsplatz im großen Haus? Die einheitliche Vehemenz der Proteste der Anwesenden allein schon auf die Frage als solche, zeichnete das Bild der Realität. Von Scheinsicherheiten war die Rede. Von einer vermeintlichen Sicherheit, die die eigentliche Unsicherheit darstellt. Ein Blick auf die Rationalisierungen in großen Häusern spreche doch eine deutliche Sprache. Da böten die selbst geschaffenen Existenzen wohl größere soziale Sicherheiten erklärten Walter und Leber einhellig. Eines Risikos schienen sich indes alle bewusst zu sein: Ihre eigene Bedeutung für ihre Unternehmen, die bei einem Ausfall nur schwer zu ersetzen wäre und unweigerlich zu Rückschlägen führen würde. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Je nachdem, auf wie vielen Schultern die Last ruht. Hinsichtlich der Bezahlung im Angestelltenverhältnis wurde besonders die Transparenz kritisiert. Dort ist der Bonus eines Jahres häufig von der Entwicklung anderer Abteilungen abhängig, wussten Beldsnijder und Fickel aus alten Tagen bei ABN AMRO und Invesco zu berichten. Nicht immer werden gute Leistungen und Ideen adäquat belohnt. Unter Beifall der übrigen Gesprächsteilnehmer erklärte Winfried Walter: "Ich glaube ich spreche für alle, wenn ich sage, wir machen es nicht nur wegen des Geldes. Es gibt auch einen Spaßfaktor. Wenn einem die Arbeit keine Freude macht, soll man es lassen." Der Gesprächsverlauf zeigt, dass die anwesenden Fondsmanager einen großen Teil ihres Erfolgs auf ihre Unabhängigkeit zurückführen, ihn allerdings nicht ausschließlich damit erklären. Zu deutlich wies Dr. Leber darauf hin, dass die Gruppe der erfolgreichen unabhängigen Fondsmanager zwar wächst, aber nur die Kehrseite der vielen erfolglosen darstellt. "Die Charaktereigenschaften eines guten Unternehmers qualifizieren auch einen guten Manager". "Die Selbständigkeit" erklärte Anko Beldsnijder unter Zustimmung der Kollegen, "ist eben nur für den geeignet, der es auch wirklich will". Und Fickel wusste zu ergänzen: "Ob angestellt oder unabhängig, gegen den Willen des Fondsmanager geht nichts! Schon gar nicht Performance!" Dem ist wenig hinzuzufügen. Vielleicht sollte man es nur noch einmal deutlich formulieren: Auf die Unabhängigkeit des Handelns kommt es an! Am Ende muß einer, egal wie groß sein Team ist, die Entscheidung treffen und verantworten. Das gilt für Selbständige, wie auch für Angestellte. Den Erfolg eines Fondsmanagers nur aus seinem Status ableiten zu wollen, greift zu kurz. |