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Am 19.04.2004 sprachen
Börsengehandelte Publikumsfonds: Quo vadis? Auch vier Jahre nach Start des Segments XTF der Deutschen Börse AG ist der Handel mit Publikumsfonds noch nicht den "Kinderschuhen" entwachsen. Der Umsatz in diesem Segment war im ersten Quartal 2004 mit zehn Mrd. Euro vergleichsweise gering. Eine Begründung dafür sehen die Experten in der bisher noch mangelnden Akzeptanz der börsengehandelten Publikumsfonds in der Hauptzielgruppe der Dachfondsmanager und Vermögensverwalter. Der Markt wird sich nach ihrer Einschätzung in den kommenden fünf Jahren dahingehend konsolidieren, daß nur noch ca. fünf Anbieter bei steigenden Volumina und Umsätzen den europäischen Markt dominieren werden. Vor vier Jahren, im April 2000, startete die Deutsche Börse ihr Handelssegment "XTF – Exchange Traded Funds". Dort kann man z.Z. 55 Investmentfonds genauso wie Aktien über die Börse kaufen und verkaufen. Die konkurrierenden Börsen Berlin-Bremen und Hamburg haben ihr Angebot an handelbaren Fonds sogar auf jeweils rund 300 aufgestockt. Doch entgegen allen Erfolgsmeldungen, kann man den Eindruck gewinnen, der Börsenhandel mit Publikumsfonds stehe in Deutschland noch am Anfang. Welche Zukunft hat die Idee? Gemessen am gesamten Publikumsfonds-Volumen blieb der Marktanteil des Börsenhandels bislang vergleichsweise gering. Der Börsenumsatz im XTF-Segment von knapp 10 Mrd. Euro im ersten Quartal 2004 ist vor allem auf das Anlageverhalten trading-orientierter Investoren zurückzuführen. Umsatzspitzenreiter ist der DAX-EX-Fonds der Indexchange AG, auf den fast die Hälfte aller XTF-Umsätze entfielen. Damit ist der monatliche Börsenumsatz dieses Indexfonds höher als sein Volumen von rund 1,4 Mrd. Euro. Mit dem Euro-STOXX-50-EX und dem Renten-ETF "eb.rexx Government Germany 2,5-5,5-EX" stammen auch die weiteren Umsatz- und Volumenspitzenreiter von der Münchener Indexchange AG. Deren Vorstand Thomas Meyer zu Drewer macht im Gespräch auch organisatorische Hemmnisse dafür verantwortlich, dass beispielsweise Dachfonds noch nicht in größerem Umfang Gebrauch von börsengehandelten Indexfonds machen. Begünstigt werde der Einsatz von Indexfonds aber durch die Hinwendung zum "Top-Down"-Ansatz und die neuen Hedgefonds. Welche Volumina auf institutionelle Anleger entfallen, lässt sich allerdings auch für die Anbieter nicht klar erkennen. Nur die Spitzen aus dem Börsenhandel schlagen sich tatsächlich in Mittelzu- und abflüssen nieder. Auch die Banken saldieren ihr Orderaufkommen, wodurch Volumina entstehen, die in der Statistik aufgrund ihrer Größe als "institutionell" eingestuft werden. Meyer zu Drewer weiß, dass die Privatanleger zwar die Mehrzahl der Einzelorder stellen, mehr als 90 Prozent der Umsätze allerdings auf institutionelle Investoren zurückzuführen sind. Unico-Mann Mang verweist auf die besondere Eignung von Indexfonds als "passive Bausteine für aktives Management". Tatsächlich nutzt die Hauptzielgruppe der Dachfondsmanager und Vermögensverwalter die börsengehandelten Fonds aber noch wenig. Der überwiegende Teil der ETF verwaltet heute noch weniger als 50 Mio. Euro und fristet hinsichtlich der Bedeutung somit auch immer noch ein Randdasein. Unico hat daraus bereits seine Konsequenzen gezogen und mehrere, an europäischen Branchenindizes ausgerichtete börsengehandelte Fonds vom Markt genommen. Hinsichtlich der Indizes, an denen sich die Fonds orientieren, bleibt festzuhalten, dass sich der Indexanbieter Dow Jones STOXX größeren Interesses erfreut als Morgan Stanley mit seinen MSCI-Indizes, was die anwesenden Experten unter anderem auf die Höhe von Lizenzgebühren zurückführen. Möglicherweise mag auch eine Rolle spielen, dass Morgan Stanley sich selbst als Mitbewerber zu den anderen Investmentgesellschaften sieht. Als falsch erweist sich die Vorstellung, börsengehandelte Fonds seien automatisch Indexfonds. Ebenso wenig ist es notwendig, dass Indexfonds immer börsennotiert sind. Gerade Anbieter, die ihre Fonds als Basisinvestment ("Core-Investment") sehen, verzichten nicht zuletzt aus Kostengründen bei bestimmten Indexfonds auf eine Börsennotiz. So hat die Unico drei Indexfonds ohne Börsennotiz. Umgekehrt können Investmentgesellschaften aber auch kaum verhindern, dass ihre Fonds an einer Börse gehandelt werden, wenn ein Handel organisiert wird, wie jetzt beispielsweise in Berlin-Bremen und Hamburg. Größter Anbieter aktiv gemanagter Fonds im XTF-Segment ist die DWS. Sie sieht darin eher einen zusätzlichen Absatzweg für das Retailgeschäft. "Was wir geschaffen haben, ist ein zusätzlicher Vertriebskanal. (...) Das ist nicht unser Hauptgeschäft.", erklärt dazu DWS-Produktmanager Ralf Levermann. Gesonderter Fonds bedarf es dazu nicht. Der Absatz auf diesem Wege beträgt jährlich etwa 70 Mio. Euro. Die Nachfrage der Fonds hängt vor allem von den jeweiligen Börsentrends ab. So ist beispielsweise aktuell das Interesse am DWS Russia Fund besonders groß. Ausblick In den nächsten Jahren ist von einem weiteren Konzentrationsprozess auf der Anbieterseite auszugehen, der jedoch nicht ETF-spezifisch ist, sondern mit der allgemeinen Konsolidierung unter den Investmentgesellschaften einhergehen wird. Die anwesenden Experten glauben, dass in fünf Jahren etwa ein halbes Dutzend Anbieter europaweit die Szene dominiert. Der ein oder andere Fonds, der sich zu geringer Nachfrage erfreut, wird wieder verschwinden – zumindest aus dem Börsenhandel. Im Gegenzug wird jedoch nachfrageorientiert, passend zu den zukünftigen Börsentrends, auch noch der eine oder andere neue Fonds das Licht der Welt erblicken. Das Angebot börsengehandelter Fonds ist aber schon vergleichsweise umfassend. Bislang mangelt es eher an der gewünschten Akzeptanz. Darin, die Nachfrage der Anleger zu erhöhen, sehen die Experten die eigentliche Aufgabe der nächsten Jahre. Thomas Meyer zu Drewer zeigt sich optimistisch: In einigen Jahren sollen ETF zu einer Selbstverständlichkeit geworden sein, ein jederzeit verfügbares "commodity". |