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Dachfonds PDF Drucken E-Mail
Am 7. Oktober 2004 sprachen die Fondsmanager
  • Bernd Greisinger (Arcturus AG)
  • Markus Kaiser (Veritas SG Investment Trust GmbH)
  • Eckhard Sauren (Sauren Fonds Service AG)
  • Alfons Tungl-Sontag (Investmentberatung Tungl-Sontag)
  • mit Dirk Arning, Drescher&Cie
  • Björn Drescher, Drescher&Cie

Von Dachfonds, Superfonds und super Fonds

Dachfonds

B. Drescher, E. Sauren

Ein Blick auf die Erfolgsergebnisse der Dachfonds in den letzten Jahren lässt unschwer erkennen, dass mit den genannten Managern große Teile des Who-is-Who der Fund-of-Funds-Szene mit einander diskutierten. Auffällig dabei erscheint in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass drei unabhängige eigenständige Initiatoren mit Markus Kaiser nur einem einzigen angestellten Fondsmanager einer Kapitalanlagegesellschaft gegenüber saßen. Und so verwundert die mehrfache Überschneidung bei der Schilderung des Werdegangs nicht, die da sinngemäß lautete: "..und irgendwann haben wir unser Vermögensverwaltungskonzept gegen einen Dachfonds eingetauscht".

B. Greisinger, M. Kaiser

Alle Gesprächspartner, auch Kaiser, sehen im Dachfonds die logische Weiterentwicklung der Vermögensverwaltungsidee. Für die Dachfonds sprechen nach Ansicht der Initiatoren vor allem die Effizienz der Abwicklung und steuerliche Vorteile, wie z.B. die steuerfreie Realisierung der Spekulationsgewinne auf der Dachfondsebene. "Es geht hier einfach auch um die Frage der Massenbewältigung" erklärt Bernd Greisinger und verweist auf mittlerweile 10.000 Kunden. "Dachfonds stellen die Königsdisziplin" dar, legt Greisinger nach und fordert andere Vermögensverwalter auf, dem Beispiel zu folgen, sich am Erfolg messen zu lassen und sich dem Wettbewerb zu stellen. "Manche scheuen den Vergleich in der Öffentlichkeit" fügt er noch hinzu. Darauf angesprochen, ob die Dachfondskonzeption gegenüber der Vermögensverwaltung auch Nachteile aufweise, kommt Eckhard Sauren dann auf die Individualität der Anleger zu sprechen, die unter der Standardisierung in Dachfonds in der Wahrnehmung etwas leide. Hier sieht er aber genauso wie die Kollegen die Möglichkeit, diesen Umstand durch Depotbeimischungen zu den als Basisinvestment gesehenen Dachfonds zu kompensieren. Überdies verweist Alfons Tungl-Sontag auch auf die eine oder andere kleinere Investitionsrestriktion für Dachfonds, z.B. hinsichtlich der Liquiditätssteuerung, der Vermögensverwalter nicht unterliegen. Eckhard Sauren bringt es mit Zustimmung der anderen auf den Punkt: "Dachfonds sind die neue Generation der Fondsvermögensverwaltung!"

Bernd Greisinger

Für die Leistungsdiskrepanz zwischen den etablierten großen Investmenthäusern und den kleineren "Dachfondsboutiquen" machen die vier neben ihren Anlagestilen vor allem ihr persönliches Engagement und die Fokuszierung aller eigenen Kräfte auf die Dachfondsthematik verantwortlich. Greisinger, Sauren und Tungl-Sontag sehen gerade auch in ihrem unternehmerischen Geist eine erhebliche Triebfeder. Tungl-Sontag formuliert das so: "Am Anfang wollte ich mein eigenes Geld gut verwalten und bin auch heute noch mein größter Einzelinvestor. Die Kunden sind somit, wenn Sie wollen, heute Profiteure dieses Strebens. Ein Fondsmanager, der selber Unternehmer ist, geht auch andere Risiken ein, was wiederum ein anderes Risikomanagement voraussetzt". Markus Kaiser betont ergänzend, dass erfolgreiches Dachfondsmanagement vor allem systematisches und konsequentes Handeln voraussetzt, bisweilen sogar bis an die Grenze der Emotionslosigkeit gegenüber den Märkten.

Markus Kaiser

An dieser Stelle ging es um die Managementansätze und Erfolgsrezepte. Markus Kaiser managt seine A2A-Fonds (Anlageprofil zu Anlageerfolg) auf Basis eines quantitativen "Markt-Phasen-Modells", was er ausdrücklich nicht mit einem Trend-Folge-Modell verwechselt wissen möchte. Ziel dieser Strategie ist die erfolgreiche Kombination von prozyklischen und antizyklischen Komponenten. Bei Sauren steht der Fondsmanager im Zentrum des Ansatzes. Er ist überzeugt, dass durch eine qualitative Fondsmanagerauswahl ein konstanter Mehrwert erzielt werden kann, der nachvollziehbar ist und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die Zukunft übertragen werden kann. "Es stellt sich die Frage, ob man den Markt vorhersagen kann? Wir glauben, dass es zumindest sehr schwer ist und konzentrieren uns von daher auf die Auswahl der Fondsmanager", erklärt er.

Alfons Tungl-Sontag

Alfons Tungl-Sontags verfolgt in seinen Fonds durchaus unterschiedliche Ansätze, die mit trendorientiert bis Buy-And Hold beschrieben werden könnten. Auf die Frage ob eher dem Markttiming oder der Zielfondsauswahl die entscheidende Bedeutung im Rahmen ihrer Strategien zukomme, wollen Kaiser und Tungl-Sontag sich nicht festlegen und fordern eine ganzheitliche Sichtweise, wohin gegen Bernd Greisinger eindeutig formuliert: "95% des Erfolgs beruhen auf der richtigen Asset Allokation, die Qualität der Zielfonds muß indes trotzdem stimmen".

Eckhard Sauren

Während Markus Kaiser in seinen verschiedenen Fonds die Risikoklassen durch fest definierte Bandbreiten und maximale Quoten verschiedener Assetklassen geregelt hat unterscheidet Bernd Greisinger seine fünf BG-Dachfonds eher dadurch, zu welchem Zeitpunkt eines Trends er mit ihnen auf den fahrenden Zug aufspringt und in welchem Stadium er sie wieder verlässt. Die Berater können nach Ansicht beider zusammen mit den Kunden die Mischungen vornehmen. Kaiser sieht die Rolle der Berater durch die Dachfonds ohnehin nicht in Frage gestellt: "Sie identifizieren die erfolgreichsten Dachfonds und nehmen die Gewichtungen vor." Die Notwendigkeit bestehende Dachfonds auf Super-OGAW "umzustricken" wird unterschiedlich empfunden. Greisingers BG-Fonds sind bereits umgebaut worden. Der Wunsch zur zeitnahen Partizipation am Marktgeschehen ließ ihm angesichts wachsender Mittelzuflüsse nach eigenen Angaben keine Alternative. Das ständige Trading mit großen Volumina führte immer häufiger zum Unmut der betroffnen Investmentgesellschaften. "Die Future-Absicherung bestehender Positionen ist zudem viel günstiger als der laufende An- und Verkauf von Fonds". Alfons Tungl-Sontag will seine von ihm verwalteten Fonds in Kürze ebenfalls zu Superfonds umbauen, während Kaiser und Sauren dazu augenblicklich keine Veranlassung sehen. Sauren begründet dies unter anderem damit, dass Super-OGAW keine offenen Immobilienfonds kaufen können, was sich unter Umständen nachteilig auf die Wertentwicklung einzelner seiner Dachfonds auswirken würde. Auf den Stellenwert börsengehandelter Indexfonds (ETF) im Rahmen ihrer Managementansätze angesprochen, reagieren die vier unterschiedlich. Sauren, der ansatzgemäß "in Manager und nicht Fonds investiert" kann den ETFs naturgemäß nichts abgewinnen. Alfonds Tungl-Sontag sieht keine Notwendigkeit auf Indexfonds zurückzugreifen, solange es Fondsmanager gibt, die den Markt schlagen. Bernd Greisinger führt vor allem Beschaffungskosten gegen die ETF an: "Bei den Gesellschaften kaufen wir zum Nettoinventarwert, und brauchen Bank und Börse nicht zu bezahlen". Markus Kaiser hingegen empfindet die ETF hinsichtlich ihrer kurzfristigen Handelbarkeit als Bereicherung und möchte sie im Rahmen seines Trend-Phasen-Modells nicht missen.

Kostendiskussionen über Dachfonds ermüden die vier Manager mittlerweile genauso so schnell, wie der immer wieder seitens der Medien herangezogene Vergleich zum IOS-Skandal. Das eine ist für sie eine Frage dessen, was unter dem Strich dabei rauskommt, und das andere ein "alter Hut", der sich nach ihrer Einschätzung nicht wiederholen wird, da die Gesetze schärfer und die überwachungssysteme effizienter geworden sind. Hinsichtlich der Kosten halten sie es allerdings für selbstverständlich, entweder institutionelle Anteilsklassen zu ordern oder zumindest erhaltene Bestandsprovisionen den Dachfonds wieder gut zu schreiben. Nach Erfolgsbeteiligungen befragt werden durchaus unterschiedliche Modelle favorisiert, wobei man sich im Sinne der Anteilsinhaber allgemein für die Existenz einer "High-Watermark" ausspricht.

Fazit

Die zu Beginn der Dachfonds-ära in Deutschland von manchem Milliarden schweren Wettbewerber belächelten "Underdogs", wie z.B. Sauren und Greisinger, sind mittlerweile selbst etabliert. Sie entwachsen der Rolle der Nischenanbieter und müssen zukünftig zeigen, dass sie die Qualität ihres Managements auch mit größeren zu verwaltenden Volumina aufrecht halten können und dem Druck der wachsenden Erwartungshaltung ihrer Anleger standhalten. Die Unabhängigkeit ist ihr Trumpf, wobei die Individualität der Managementansätze zeigt, dass durchaus unterschiedliche Wege zum Erfolg führen können. Die Leistungen der von Markus Kaiser betreuten A2A-Fonds belegen, dass mittels griffiger Konzepte und eigenständig handelnder Dachfondsabteilungen auch in großen Investmenthäusern erfolgreicher gearbeitet werden könnte, als in der Vergangenheit. Eckhard Sauren hat recht, wenn er anmerkt: "es wird in den Medien immer pauschal von den Dachfonds gesprochen, man sollte das Universum schon differenzierter beschreiben".

Das sehen wir, das Team von Drescher & Cie GmbH auch so und fügen hinzu: Die Dachfondsidee ist nur so gut, wie das, was man aus den durch sie gegebenen Möglichkeiten macht! Angesichts der Tatsache, dass sich immer mehr Anleger und Berater hinsichtlich der Asset Allocation und der Auswahl einzelner Fonds überfordert fühlen, wird die Bedeutung von Fund-Of-Funds-Lösungen und damit auch ihr Marktanteil zunehmen. Ob sie nun als Dachfonds oder Superfonds konstruiert sind, bleibt zunächst zweitrangig, super gemanagt müssen sie sein!