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Am 14. September 2005 sprachen
Selten gab es so viele gute Gründe für ein Biotech-Engagement!
Zum Hintergrund: Für Biotechnologiefonds gibt es seit jeher eine klassische Argumentation: Die Weltbevölkerung wächst und weist dank des medizinischen Fortschritts einen immer größeren Anteil älterer Menschen auf. Der Gesundheitssektor zählt zu den am schnellsten wachsenden Marktsegmenten überhaupt und erfreut sich einer natürlich wachsenden Nachfrage. Ob man telefonieren oder Auto fahren muss, bleibt fraglich. Dass die Menschen gesund sein wollen, gilt als sicher. Gleichzeitig bringt die Pharmaindustrie kaum noch eigene Innovationen hervor und sieht sich zudem reihenweise auslaufenden Patenten ihrer "Blockbuster" gegenüber. Mehr als die Hälfte aller neu zugelassenen Präparate basiert bereits auf biotechnologischer Forschung. In der Konsequenz sind die Pharmariesen an übernahmen viel versprechender Biotechnologiefirmen interessiert, deren Firmengeschichten nicht selten Start-up-Charakter haben. Welches Unternehmen würde nicht gerne Präparate gegen die Geißeln der Menschheit, wie z.B. Krebs, Aids, Parkinson etc. anbieten. Von Sensationsmeldungen aus der Forschung, wie z.B. der Entschlüsselung des menschlichen Genoms, begleitet, haben Biotechnologiefonds Ende der 90er Jahre einen selten gesehenen Siegeszug angetreten. In dessen Verlauf konnten die Investoren mehrere hundert Prozent Rendite realisieren. Binnen 12 Monaten wurden annähernd 25 neue Biotechnologiefonds von Investmenthäusern aufgelegt, die an diesem Trend partizipieren wollten. Der Crash hat alle Beteiligten auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Korrektur erfolgte rund ein halbes Jahr zeitlich versetzt zur allgemeinen Baisse und fand ihren Tiefpunkt im Jahre 2002. Der Nasdaq-Biotech stürzte von rund 1600 auf 400 Punkte. Etwa die Hälfte der Fonds hat dieses Jammertal nicht überlebt, viele selbst ernannte Biotech-Experten sind wieder in der gleichen Versenkung verschwunden, aus der sie kamen. Während aber die Aktienmärkte im Großen und Ganzen in den letzten zwei Jahren ihre Verluste wieder wettmachen konnten, hinkt die Biotechnologiebranche hinterher. Gemessen am Nasdaq-Biotech-Index verlor der Sektor in den letzten 24 Monaten sogar weitere zwei Prozent. Allein im ersten Halbjahr 2005 mussten die Biotechnologiefonds der BVI-Mitglieder Nettomittelabflüsse in Höhe von 470 Mio. Euro hinnehmen. Schlägt jetzt wieder die Stunde der Biotechs? In gewisser Weise für eine antizyklische Themenauswahl bekannt, hatte die Drescher&Cie GmbH am 14. September 2005 im Rahmen ihrer regelmäßigen Round Table Gespräche zu einer Diskussion über das Wachstumspotential der Biotechnologie-Branche in ihre Räumlichkeiten nach Sankt Augustin geladen. Mit Harald Schwarz von Medical Strategy Healthcare Investment Advisors, Michael Sjöström von Sectoral Asset Management und Dr. Philipp Mekler von Adamant Biomedical Investments erschienen drei branchenweit anerkannte Biotech-Experten, die annähernd ein Dutzend Biotechnologiefonds lenken und verantworten, darunter Produkte für VCH, Oppenheim Pramerica, Pictet und Lacuna. Darüber hinaus hat Adamant Biomedical Investments auch bei der Konzeption mehrerer Zertifikate auf Pharma- und Generikatitel in den Emerging Markets entscheidende "Geburtshilfe" geleistet.
Am Anfang des Gesprächs stand die Definition des Biotechnologiesektors und die Abgrenzung zu anderen Bereichen, wie z.B. der Pharma- oder Generika-Industrie. Hier zeigt sich in "Peer Group Vergleichen" ein heilloses Durcheinander. Der Thematik bewusst, plädierte Harald Schwarz für eine pragmatische Segmentierung anhand der Benchmark. "Anhalt bietet der weit gefasste Nasdaq Biotech Index (NBI), der in seinem Universum mehr als 150 Biotech- und Emerging Pharma-Unternehmen vereint. Ein Fonds der mehr als 75% seines Volumens in Werte dieses Universums investiert, sollte als Biotechnologiefonds eingestuft werden. Überwiegend handelt es sich bei diesen Unternehmen um Arzneimittelhersteller, deren Produktion auf biotechnologischen Forschungen beruht". Diese Einschätzung wurde im Großen und Ganzen geteilt, wobei Dr. Mekler ergänzte: "Bei der Biotechnologie handelt es sich um einen akademisch vorbelasteten Begriff aus der Forschung, der eigentlich eine Art der Entwicklung von Präparaten beschreibt und keine Branche definiert. Den Schlüssel der Zuordnung sehen wir auch in der Gewichtung von Vermarktung, Entwicklung und Forschung innerhalb der Unternehmen". Die Abgrenzungsproblematik wird aus Sicht Sjöströms auf Grund der heute schon regelmäßig zu beobachtenden Übernahmen und Verschmelzungen von Unternehmen verschiedener Sektoren in der Zukunft eher größer als kleiner werden. Harald Schwarz wurde schließlich noch deutlicher: "Dauerhaft werden die auf biotechnologischer Basis entwickelten Präparate überwiegen. Bereits jetzt ist jedes zweite neu zugelassene Medikament eines, das der Biotechnologie zu verdanken ist". Das aktuelle Stimmungstief der Investoren hinsichtlich der Biotechnologie führten die Experten auf eine Desillusionierung zurück. Die Euphorie Ende der 90er Jahre war eine klare Übertreibung. Philipp Mekler pointierte: "Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms war ein herausragendes Ereignis, aber aus Sicht der Investoren eine Fiktion. Die Mehrheit der Anleger hat verkannt, dass wir eine Karte und ein Ziel haben, den Weg aber erst noch suchen müssen". Das sah Harald Schwarz ähnlich: "Nach der Entschlüsselung sind wir wieder im Alltag angekommen. Es wird wieder klar, dass die Entwicklung eines Präparats jahrelanger Forschung bedarf". Zudem haben, wie Dr. Mekler ausführte, Skandale wie bei Imclone oder das nach der Zulassung wieder schnell vom Markt genommene Multiple-Sklerose-Mittel Tysabri von Elan die Investoren erheblich verunsichert. "Die Biotechnologie hat wieder den Ruch des nicht mehr planbaren und damit riskanten Marktes bekommen". Michael Sjöströms Ausführungen rundeten das Stimmungsbild ab: "Die Euphorie hat viele Retail-Investoren zu einem ungünstigen Zeitpunkt der Überbewertung in den Markt gelockt. Die haben den Kopf immer noch unter Wasser". Von der Entwicklung des Biotech-Segments in den letzten 18 Monaten zeigten sich die drei Experten gleichermaßen enttäuscht. Alle drei hatten, wie viele ihrer Kollegen, auf eine Outperformance der zuvor schlecht gelaufenen Nebenwerte des Sektors spekuliert und die bis dahin gut performenden Schwergewichte, wie z.B. Amgen und Genentech soweit möglich in ihren Portfolios reduziert. In der Folge blieben die Small und Mid-Caps hinter den Erwartungen zurück und konnte sich ein Standardwert wie Genentech annähernd verdoppeln. Der Markt hat eben leider immer Recht. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben! Harald Schwarz zeigte sich genauso wie seine Kollegen überzeugt, dass die Outperformance der Nebenwerte der gerade gesehenen der Standwerte nun in den nächsten Monaten noch folgen wird. So erinnerte er z.B. an die gut 100 Mrd. US-Dollar Gewinne, die amerikanische Pharmaunternehmen innerhalb ihrer Holdingstrukturen in Steueroasen geparkt haben, und die im Rahmen des Job Creation Acts der Busch-Administration bis zum Jahresende 2005 repatriiert werden können. Der Steuersatz auf diese Gewinne wurde von 35% auf 5% gesenkt, unter der Bedingung die Gelder nicht an die Aktionäre auszuschütten, sondern binnen drei Jahren wieder zu investieren. Vermutlich werden diese Milliarden zur Akquise von Biotechnologieunternehmen genutzt, deren Forschungsergebnisse die Produktpipelines der Pharmariesen wieder füllen könnten. So hat Pfizer z.B. das auf Antiinfektiva spezialisierte Biotech-Unternehmen Vicuron für knapp zwei Milliarden US-Dollar übernommen. Der von Pfizer gezahlte Kaufpreis lag mit einem Aufschlag von 84% erheblich über dem vorherigen Börsenkurs. Angesichts der historisch niedrigen Bewertungen, -so beläuft sich die Gesamtkapitalisierung der Small- und Mid-Cap-Biotechunternehmen aktuell auf lediglich 100 Mrd. US-Dollar - und der zum Teil geringen Marktliquidität der Biotechnologiebranche zu diesem Zeitpunkt, könnten diese repatriierten Gelder die Kurse treiben. Michael Sjöström glaubt grundsätzlich auch zurück gewonnenes Anlegervertrauen erkennen zu können. "Katastrophenszenarien, wie z.B. eine befürchtete Verlangsamung und Verschärfung der Zulassungsverfahren, sind ausgeblieben". Dr. Mekler sprach in diesem Zusammenhang sogar von einer sich selbst neu definierenden Gesundheitsbehörde FDA. Die Skepsis gegenüber der Biotechnologie nimmt also anscheinend mittlerweile wieder erkennbar ab. Es fehlen aber noch die Impulse. Eine solche Stimulation des Biotechnologie-Sektors könnte z.B. von den in kürze wieder anstehenden medizinischen Kongressen und Investmentkonferenzen ausgehen, auf denen neue Forschungsergebnisse vorgestellt und ausgewertet werden. Bemerkenswert erscheint Harald Schwarz auch die zu beobachtende verstärkte M&A und IPO-Aktivität. Allein in den letzten 18 Monaten gingen 50 Biotechnologie-Unternehmen an die Börse. Davor hatte sich lange Zeit keines getraut. Der Zeitpunkt für ein Biotechnologieinvestment erscheint also interessant. Selten gab es mehr gute Gründe für ein Engagement. Trotzdem scheuten sich die Manager davor, von einem Augenblick zu sprechen, in dem jeder einsteigen muss. Mit Zustimmung der Kollegen erklärte Michael Sjöström: "Timing kriegt man nicht hin! In einer Wachstumsbranche sollte man langfristig investiert sein. Wer interessiert ist, findet derzeit ein attraktives Niveau vor". Die Frage, welche Zielgruppe in spezialisierte Biotechnologiefonds investieren sollte, führte zu ungewöhnlich deutlichen Statements. So sagte beispielsweise Philipp Mekler: "Der Einsatz von Biotechnolgiefonds ist in privaten Portfolios abhängig vom Investitionsvolumen. Ein 20.000 Euro großes Depot braucht angesichts der nötigen Diversifizierung keinen reinen Biotech-Fonds. Institutionelle Anleger und größere Investoren können diesen Sektor aber nicht ignorieren. Der Gesundheitssektor macht ca. 15% der weltweiten Börsenkapitalisierung aus, die Biotechnologiebranche wiederum 10% davon und ist darüber hinaus ein klarer Wachstumsmarkt".
Fazit: |