| Emerging Markets: The Director´s Cut |
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23. November 2011 im Grandhotel Petersberg
Die Vorträge, zum Download bitte hier klicken... Petersberger Treffen 2011 Emerging Markets: The Director´s CutInvestitionen in Schwellenländern sind keine Frage des "ob", sondern lediglich des "wie" und "wo genau". Hinsichtlich des "wann", pointierte Carlos von Hardenberg aus dem Hause Templeton: "2011 wird im Nachhinein betrachtet ein Jahr sein, in dem man sich wünschte, man hätte deutlich mehr in Emerging Markets investiert". Eine Einschätzung, die Michael Keppler anhand historischer Bewertungsstudien zu unterfüttern wusste, wobei er darauf verwies, dass das aktuelle Niveau auch auf längere Zeit hinaus für Engagements attraktiv bleiben könnte. Einen Gruppendiscount auf Schwellenländer gegenüber den Developed Markets kann Keppler indes nicht mehr ausmachen. Comgest-Chef Vincent Strauss setzte noch einen drauf: "Wer abseits einzelner überhitzter Immobilienstandorte potenzielle Spekulationsblasen sucht, sollte sich eher mal mit den etablierten Märkten und ihren Anleihesegmenten beschäftigen, als mit den Emerging Markets". Im Verlauf der Konferenz wurde schnell deutlich, dass unter dem Begriff "Schwellenländer" eine Gruppe inhomogener Staaten und Volkswirtschaften subsumiert wird, die ungeachtet ihres Potenzials einer differenzierten Betrachtung und zielgerichteter Investments bedürfen. Mit anderen Worten, die Mongolei und China liegen zwar direkt neben einander, weisen aber hinsichtlich ihrer Schnittmenge wirtschaftlicher Parameter kaum Gemeinsamkeiten auf. Dessen ungeachtet verkörpern die Schwellenländer eine der letzten "echten" Wachstumsstories. "Emerging Markets ist ein guter Sammelbegriff, aber jedes Land hat seine eigene Geschichte", so Thomas Gerhardt, Leiter des Schwellenländer Management bei Edmond de Rothschild Asset Management. "Jeder - ob Berater oder Anleger - muss sich somit seine eigene Sicht, getreu dem Motto der Konferenz, seinen eigenen "Director´s Cut" auf die heterogene Gruppe der Schwellenländer zurechtschneiden". Andreas Utermann, Chefstratege bei Allianz Global Investors unterstrich die wachsende Bedeutung der Emerging Markets im Kontext weltwirtschaftlicher Betrachtungen. Die Schwellenländer stellen in seinen Augen angesichts der riesigen Staatsschulden in Europa und den USA längst den "neuen Stabilitätsanker" dar. "Auch wenn der Weg steinig ist und es auch größere Rückschläge geben wird, sind die Chancen der Emerging Markets beträchtlich und größer als allgemein angenommen", sagte Utermann, der empfahl, zwischenzeitige Schwächeperioden zum strategischen Einstieg und zum Ausbau bestehender Positionen zu nutzen. Der Chefstratege rechnet mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, aber keiner "harten Landung". Auch die Inflationsgefahr habe ihren Höhepunkt überschritten, da die Rohstoffpreise sinke. Vom oft beschworenen "Decoupling", also der Abkopplung der Emerging Markets vom Rest der Welt kann nicht gesprochen werden - auch das wurde deutlich. "Decoupling ist ein Mythos", erklärten Comgest-Manager Vincent Strauss und Rothschild-Kollege Gerhardt. Beide sehen mittlerweile eher umgekehrte Vorzeichen, also eine tendenziell zunehmende Abhängigkeit der Industrienationen von den Entwicklungen in den Emerging Markets und von den Zahlungsströmen ihnen zuzuordnender Investoren, seien sie nun privat oder staatlich. Bemerkenswert erschien Templeton-Mann Carlos von Hardenberg in diesem Zusammenhang vor allem die Tatsache, dass die Investitionen von Anlegern aus den Schwellenländern über globale Kapitalsammelstellen wie Fonds in andere Emerging Markets spürbar zugenommen haben. Treiber des Wirtschaftswachstums in den Schwellenländern werden nach Ansicht der Fachleute auch zukünftig die günstigen demografischen Entwicklungen sein, die wachsende Konsumnachfrage und der Ausbau der Infrastruktur. Zudem ist die Kreditwürdigkeit einiger Emerging Markets inzwischen höher als die einiger etablierter Volkswirtschaften. Gleichwohl sollten die Risiken von Schwellenländer-Investments nicht unterschätzt werden. Während das Thema Korruption nach Ansicht der Experten kein spezielles Problem der Emerging Markets darstellt, sondern ebenso in den entwickelten Ländern zu beobachten ist, werden politische Risiken als ungleich problematischer angesehen. Sowohl dort, wo sie latent schwelen, wo also totalitäre Regime mit freien Märkten einhergehen, als auch dort, wo sie offen ausgebrochen sind. Als Ausgleichsventil fungieren an dieser Stelle in der Praxis Discounts auf ermittelte Unternehmensbewertungen. Beispielhaft wurde an dieser Stelle über Ägypten diskutiert, wobei man sich einig war, dass die augenblicklichen Unruhen früher oder später zu besseren Führungen und gesellschaftlichen, wie auch wirtschaftlichen Liberalisierungen in diesen Ländern führen sollten, die den Investoren zukünftig zugutekommen können. Ebenso müssen Aspekte wie hohe Inflationsraten, mangelnde Liquidität kleiner Märkte und Verschuldungsaspekte gesehen werden. So sind beispielsweise chinesische Kommunen derzeit mit rund 1,6 Bio. US-Dollar verschuldet. Aber wie sagte Michael Keppler so schön: "In den USA wird auf Pump in die Rüstung investiert, in China auf Pump in die Infrastruktur. Im Zweifelsfall ist das wohl besser". Nach interessanten Opportunitäten schließlich befragt, die in einem virtuellen vermögensverwaltenden Schwellenländerfonds derzeit gebündelt werden könnten, steuerten die Experten unter anderem die folgenden Schlagworte und Investmentvorschläge bei, ohne Einzelwerte zu empfehlen: Brasilianische Aktien und Anleihen, afrikanische Telefongesellschaften, Goldminenaktien, lokale Closed-End-Funds, die deutlich unter Wert notieren und vorbörsliche Beteiligungen in der Mongolei, wo in absehbarer Zeit eine geregelte Börse entstehen soll. Es bleibt festzuhalten: Und zwar nicht nur unter dem Aspekt der Diversifizierung, sondern vor allem auch unter den Gesichtspunkten Sicherheit und Ertrag. Langjährige Studien belegen, dass die Schwellenländerinvestments, zugegeben bei höherer Volatilität als in den entwickelten Ländern, im Schnitt pro Jahr eine etwa 250 Basispunkte höhere Rendite erwirtschafteten. Eine sinnvolle Beimischung der Schwellenländerinvestments über alle Assetklassen hinweg, sollte nach Ansicht der Fondsmanager für einen europäischen Anleger bei mindestens 20% liegen. Und abschließend sollte man eines nicht vergessen:
Der sogenannte "Director's Cut" ist eine neue Schnittversion eines bereits veröffentlichten Spielfilms und setzt sich von der erstveröffentlichten Version ab, die nicht den ursprünglichen künstlerischen Absichten des Regisseurs entspricht. Ein Director's Cut kommt in der Regel einige Zeit (Monate bis Jahre) nach der ursprünglichen Schnittfassung und vorzugsweise bei besonders erfolgreichen Filmen auf den Markt und dient häufig dazu, das Profil der handelnden Charaktere zu schärfen und logische Brüche der Erstfassung zu überbrücken. Referentenliste:
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