close

Login Drescher&Cie

Zugang zu diesem Bereich haben nur Mitarbeiter der Drescher&Cie GmbH.

Mitarbeiter-Login
Rohstoffe: Einbahnstrasse oder Sackgasse? PDF Drucken E-Mail

21. November 2008 im Gästehaus Petersberg.

Petersberger Treffen 2008

Die Vorträge zum download, hier klicken...

Petersberger Treffen 2008:

„Rohstoffe: Einbahnstraße oder Sackgasse?“

Rohstoffzyklus intakt, aber auf temporärem Tiefpunkt!

Finanzkrise hin, Finanzkrise her, an den wesentlichen Faktoren, die für steigende
Rohstoffpreise sprechen, hat sich nichts geändert. Zwar kann niemand genau bestimmen,
wann Öl & Co wieder teurer werden, aber der übergeordnete Trend steigender Rohstoffpreise
bleibt auch nach dem Platzen der Spekulationsblase intakt. Begründung: Die natürlichen
Ressourcen sind begrenzt vorhanden und immer schwieriger zu fördern, können nur bedingt
substituiert und eingespart werden und sind von einer rasant wachsenden Weltbevölkerung
zunehmend stärker nachgefragt. Die derzeitige Gesamtnachfrage nach Rohstoffen ist weiterhin
höher, als die von der Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogenen Marktpreise einzelner
Commodities suggerieren. Die Rohstoffnachfrage wird das Angebot schon mittelfristig stark
übersteigen und damit inflationäre Tendenzen zur Folge haben. Fehlende Investitionen und ein
zu beklagender Fachkräftemangel werden später drastische Folgen nach sich ziehen.
Am 21.11.2008 fand bereits zum zehnten Mal das „Petersberger Treffen“ der Firma Drescher & Cie im
ehemaligen Gästehaus des Bundes auf dem Petersberg bei Bonn statt. Zehn Referenten und rund
250 Gäste waren der Einladung zur Jubiläumsveranstaltung gefolgt, die in diesem Jahr unter dem
Motto „Rohstoffe: Einbahnstraße oder Sackgasse?“ stand.

Grundsätzlich werden die Preise für Rohstoffe durch mehrere Determinanten bestimmt:
Rohstoffvorkommen sind endlich, was bei gleich bleibender Nachfrage, erst recht aber bei steigender,
zu einem Verknappungsszenario führt. Die Kapazitäten erneuerbarer Rohstoffe, sowohl bei der
Energieversorgung, als auch bei Agrarrohstoffen und Holz, sind begrenzt. Zudem wird die Förderung
und Erschließung neuer Vorkommen zunehmend teurer und schwieriger. Obendrein erweisen sich
politische und militärische Krisenszenarien als exogene Störfaktoren, die in den Kalkulationen
genauso berücksichtigt werden müssen wie die Spekulationen von Großinvestoren. Was für die
Rohstoffpreise selbst gilt, trifft indirekt auch auf die sie fördernde und verarbeitende Industrie zu,
wobei in diesem Fall auch noch unternehmensspezifische Aspekte und Risiken berücksichtigt werden
müssen.

Einer der wichtigsten Treiber der Rohstoffnachfrage bleibt das rasante Bevölkerungswachstum
und damit einhergehende Trend der Urbanisierung. Schon heute leben mehr als sechs Milliarden
Menschen auf der Erde, der größte Teil davon in den aufstrebenden Schwellenländern. Schon 2050
werden es Hochrechnungen zufolge neun Milliarden sein. Um es sich bildlich vorzustellen: jede
Sekunde vermehrt sich die Weltbevölkerung im Schnitt per Saldo (also nach Abzug der Sterblichkeit)
um fünf Menschen. Die Region mit der größten demographischen Dynamik bleibt auch in Zukunft
Asien. Neben der Tatsache, dass die Weltbevölkerung wächst, ist der Umstand von Bedeutung, dass
immer mehr Menschen vom „Land“ in die „Städte“ ziehen, was einen entsprechenden Auf- und
Ausbau der Infrastruktur erfordert, der automatisch mit erhöhter Rohstoffnachfrage einhergeht. Der
zusätzliche Wohn- und Lebensraum, um den beispielsweise chinesische Großstädte jeden Monat
erweitert werden müssen, saldiert sich auf die Größe Hamburgs. Erstmals haben in der
Menschheitsgeschichte 2007 mehr Menschen auf der Welt in Städten als auf dem Land gelebt.

Das Wachstum der Schwellenländer stärkt die Nachfrage nach Rohstoffen in besonderem
Maße. Sie stehen erst am Beginn des Rohstoff-Nutzungszyklus. So verbraucht der durchschnittliche
Amerikaner beispielsweise pro Kopf 170 kg Kupfer im Jahr, während der pro Kopf Verbrauch in China
gerade einmal bei 10 kg im Jahr liegt. Der durchschnittliche Stahlverbrauch der Industrieländer liegt
bei 600 kg pro Kopf, in China bei 300 kg und in Indien sogar nur bei 50kg. Der Trend zeigt sich auch
bei den Agrarrohstoffen: so stieg beispielsweise die jährliche Nachfrage nach Obst seit dem Jahr 2000
in den Emerging Markets um 8%, nach Gemüse um 14%, nach Fleisch um 13% und nach Fisch um
14% und damit im Schnitt mehr als doppelt so stark wie in den Industrienationen. Die sich
abzeichnende Geschwindigkeit, mit der sich das Konsumverhalten in den Schwellenländern verändert,
könnte die allgemein erwarteten Szenarien erheblich verschärfen. Beispielsweise besitzen in Chicago
unter 1000 Menschen schon 885 einen Fernseher, während es in Shanghai gerade einmal 8 sind.

An den Wachstumsaussichten der Rohstoffindustrie hat sich also wenig bis gar nichts
geändert. Die zwischenzeitliche Übertreibung erklärt sich genauso wie die augenblickliche scharfe
Korrektur durch Spekulationen und den Trend überlagernde Krisenszenarien. Welchen Anteil
Spekulationen am Boom ausmachten, wird allein schon mit Blick auf das Investitionsvolumen
rohstoffindexierter börsengehandelter Fonds deutlich, das sich im Verlauf des Jahres 2007 mehr als
verdoppelte. Die zumeist mit langfristigen Trends begründeten spekulativen Exzesse werden nun
insbesondere mit Blick auf einen befürchteten wirtschaftlichen Zusammenbruch der USA und Europas
bereinigt. Die Angst vor Liquiditätsengpässen, die Projekte gefährden könnten, Panikverkäufe,
Leerverkäufe und Zwangsliquidierungen treiben die Kurse nach unten. Der kurzfristige Absturz ist
fundamental genauso wenig begründet, wie die vorherige Preisexplosion. In wie weit nun schon
wieder nach unten übertrieben wird, zeigt das Verhältnis der Unternehmensbewertungen zu den
tatsächlichen aktuellen Rohstoffpreisen. Gemessen an den Firmenbewertungen müsste ein aktueller
Goldpreis derzeit bei 200 US-Dollar / Unze liegen, der Ölpreis bei 32 US-Dollar. Die
Marktkapitalisierung vieler Rohstoffunternehmen liegt aktuell schon unterhalb der Bargeldquote.

Die Produktionskosten vieler Unternehmen liegen heute schon höher als die Rohstoffpreise.
Zunehmend wird der Ersatz von Reserven und Ressourcen schwieriger. Neue Lagerstätten werden
trotz hoher Forschungs- und Entwicklungskosten immer seltener gefunden. Gleichzeitig steigen aber
die Kapitalkosten. Beispielsweise stiegen die Explorationskosten beim Öl seit dem Jahr 2000 um 45%.
Im gleichen Zeitraum konnten die bekannten Vorkommen indes nur um lediglich 2% gesteigert
werden. Welche Szenarien denkbar sind, wenn die Rohstoffpreise weiter fallen, zeigt der Markt für
Platin. Derzeit kostet die Unze rund 900 US-Dollar, der Break-even liegt aber bei 1100. Wenig
verwunderlich, dass die meisten Projekte derzeit auf Eis liegen und auf bessere Zeiten gewartet wird.
Kurz- bis mittelfristig zeigt sich die Mehrheit der Fondsmanager für Gold „bullish“. Begründung:
Die angebotenen Lösungen für die augenblickliche Wirtschaftskrise bleiben inflationär, was
zunehmende Goldinvestments erwarten lässt. Zudem sollten Notenbanken, die wie China
Multimilliarden in US-Dollar-Anleihen halten, schon bald das Gold für sich entdecken, wie man
überhaupt konstatieren muss, dass das Interesse an „sicheren Häfen“ steigt. Auf der Angebotsseite
weist die Minenproduktion hingegen rückläufige Tendenzen auf. Kurzfristige Unsicherheiten entstehen
beim Goldpreis vor allem durch Spekulanten und Zwangsliquidierungen von Hedgefonds. Das
aktuelle Bewertungsniveau von Goldminengesellschaften darf als historisch niedrig bezeichnet
werden. Hier bietet sich der größte Hebel, um an einem steigenden Goldpreis zu partizipieren.
Allerdings werden sich nur jene Unternehmen langfristig als attraktiv erweisen, die finanziell solide
sind, das heißt einen hohen Cashflow aufweisen und über gesicherte Kredite verfügen.

Langfristig sind aus Sicht der Referenten fast alle Rohstoffe attraktiv! Statistisch könnte der
Super-Rohstoffzyklus mehr als 20 Jahre andauern. Selbst die konservativsten Schätzungen gehen
von einem 20 bis 30 prozentigen Nachfrageanstiegs nach Energie in den kommenden 30 Jahren aus.
Dabei werden die erneuerbaren Energien auch künftig nicht mehr als ein Drittel der Nachfrage
bedienen können. Rohstoffinvestments bleiben somit auf Basis der auf dem Petersberg betrachteten
Momentaufnahme mindestens haltenswert, wenn nicht sogar zur Aufstockung empfohlen. Allerdings
geben Experten wie Achim Stranz, Chief Investment Officer bei AXA Investment Managers und Dr.
Christoph Bruns, Fondsmanager bei Loys nicht zu Unrecht zu bedenken, dass nicht allein der
Rohstoffsektor auf dem erreichten Niveau interessante Perspektiven bietet. Stranz verwies auf die
Besonderheit, dass die Bewertungen der Unternehmen schon zu Beginn der Baisse nicht wirklich
hoch gewesen seien.

Ehemalige Ankündigung:

Die Preise für Rohstoffe legten in den vergangenen Jahren eine rasante Rallye auf das Börsenparkett. Die Kursverläufe von Barrel, Bushel, Galonen, Barren und anderen Messeinheiten wichtiger Rohstoffe gipfelten vor einigen Wochen in wahren "Fahnenstangen", korrigierten danach scharf und zeugen aktuell von hoher Volatilität.

Stellvertretend steht für viele Beobachter der Ölpreis, der nach einer langjährigen Seitwärtsbewegung in der Range zwischen 20 und 40 US-Dollar seit 2005 in die Höhe schoss, in der Spitze über 140 notierte und vor einigen Wochen binnen weniger Handelstage wieder unter die psychologische Marke von 100 US-Dollar fiel.

Handelt es sich bei den jüngsten Entwicklungen nur um eine kurze Verschnaufpause auf dem Weg zu den nächsten Allzeithochs oder hat die zuvor gezeigte Euphorie der Marktteilnehmer zu weit geführt? Sehen wir eine Korrektur innerhalb eines übergeordneten Trends einer jahrzehntelangen Rohstoff-Hausse oder eine geplatzte Spekulationsblase?

Vergleicht man die politische Weltkarte mit der Übersicht weltweiter Rohstoffvorkommen fällt eine augenscheinliche Kongruenz zwischen Ressourcen und Krisengebieten auf. Wie stark beeinflusst die Angst vor Krisen bedingten Verknappungsszenarien die Kurse, wie stark die tatsächliche Angebot- und Nachfragesituation oder sind es gar die "bösen" Spekulanten? Welche Szenarien drohen? Ausufernde Geldmengen, Unsicherheit im Finanzsektor, Inflationssorgen aller Orten. Welche Rolle spielen die Rohstoffe, insbesondere die Edelmetalle als Fluchtwährungen. Gehört Gold in jedes Depot, wie viele Profis behaupten? Oder gar in den eigenen Keller?

Begrenzte natürliche Ressourcen auf der einen Seite, die wachsende Nachfrage einer größer werdenden Weltbevölkerung im Zeitalter der industriellen Globalisierung auf der anderen. Wie ist diese (Un-) Gleichung zu lösen?

Diesen und anderen Fragen geht vor dem Hintergrund der aktuellen Krisensituation an den Weltfinanzmärkten anlässlich des (10.) Petersberger Treffen 2008 eine hochkarätige Runde von Referenten und Diskussionspartnern nach.

  • Achim Stranz, Chief Investment Officer, AXA Investment Managers
  • Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse, Allianz Global Investors
  • Jonathan Blake, Investment Manager, Barings Global Resources
  • Catherine Raw, Portfoliomanagerin, BlackRock
  • Graham French, Fondsmanager & Co-Leiter M&G Global Equities Team
  • Laura Ambroseno, Executive Director, Morgan Stanley Investment Management
  • Hans Peter Portner, Fondsmanager, Pictet Sector Fund Water
  • Per Kronborg Jensen, Fondsmanager, Sparinvest
  • Dr. Joachim Berlenbach, Universal-Investment
  • Dr. Christoph Bruns, Fondsmanager, Loys AG
Die Vorträge zum download, hier klicken...