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USA: Stars oder Stripes? PDF Drucken E-Mail

30. November 2007 im Gästehaus Petersberg.

Petersberger Treffen 2007

2007 hätte das Thema am 30. November aktueller kaum sein können: "USA: stars or stripes".
Schließlich boten der scheinbar freie Fall der US-Währung gegenüber dem Euro, der rasant steigende Ölpreis, die Auswirkungen der Sub-Prime-Krise und eine weiter wachsende Verschuldung der amerikanischen Privat- und Staatshaushalte reichlich Stoff zur Diskussion. Im Zentrum der Diskussionen und Fachvorträge stand die Frage in wieweit den Vereinigten Staaten, und damit der größten Volkswirtschaft der Welt in der näheren Zukunft ein Absturz in die Rezession drohen könnte.

Petersberger Treffen 2007

Die Referenten und Diskussionspartner: Dr. Franz Wenzel (AXA Investment Managers), Dr. Ulrich von Auer (JP Morgan Asset Management), Andrew Holliman (Threadneedle), Christian Pachtner (Allianz Global Investors), Michael Feldmann (Nordea Investment Funds), John Kelly-Jones (Morgan Stanley Investment Management), Patrick Meegan (Hotchkis & Wiley Capital Management), John Granholm (ACM Bernstein), Dr. Christoph Bruns (Loys) und Edwin Walczak (Vontobel Asset Management), Hans A. Bernecker (Bernecker & Cie).

Petersberger Treffen 2007

Einhelliger Tenor der Vorträge und Diskussionsrunden:
Eine Rezession in den USA ist zwar grundsätzlich denkbar, wird aber in der näheren Zukunft nicht erwartet. Auch dann nicht, wenn man unterstellt, dass die USA ihre eigene Rolle in einem sich ändernden ökonomischen Weltbild neu definieren müssen und sich hinsichtlich ihrer Staatsverschuldung (rund 20 Bio. US-Dollar) und ihres Leistungsbilanzdefizits (900 Mrd. US-Dollar) gelinde gesagt unvorteilhaft präsentieren.

Petersberger Treffen 2007

John Granholm erklärte beispielsweise: "Da der Einfluss des Wohnimmobilienmarktes auf die konjunkturelle Entwicklung nachlässt, liegen die schlimmsten Auswirkungen des Rückgangs am Wohnimmobilienmarkt auf die BIP-Entwicklung bereits hinter uns. Bis jetzt wurde der Rückgang am Wohnimmobilienmarkt durch die Bereiche Gewerbeimmobilienbau und Exporte ausgeglichen. Gleichzeitig hält der Boom außerhalb der USA, insbesondere in den Schwellenländern an".

Petersberger Treffen 2007

Vergleiche, die von einigen Fachleuten zwischen den USA heute und Japan Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gezogen werden, entbehren nach Ansicht unserer Diskussionspartner jeder Grundlage. Die Szenarien sind nicht vergleichbar. Mit Störfeuer und volatileren Kursverläufen, die schon in den letzten Wochen zu beobachten waren, muss gerechnet werden. Die vorausschauende und sensible Politik der amerikanischen Notenbank dürfte allerdings schlimmeres verhindern.

Petersberger Treffen 2007

Dr. von Auer sprach wörtlich von einer "wachsamen und glaubwürdigen FED-Politik" und erklärte weiter: "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass im Anschluss an Zinssenkungen durch die FED die Marktrenditen in den folgenden 12 Monaten zweistellig angestiegen sind. Rückgänge, die in einer Rezession endeten, blieben die Ausnahme". Im Hause AXA kann man sich sogar unter bestimmten Umständen einen Realzins von null Prozent vorstellen. Grundsätzlich wurde von den Referenten aber auch unterstrichen, dass sich die Märkte nicht generell darauf verlassen können, dass die Notenbanken immer als weißer Ritter der Konjunktur und der Börse behilflich sind. Hans A. Bernecker brachte es wie folgt auf den Punkt: "Notenbanken dürfen nicht erpressbar sein".

Petersberger Treffen 2007

Der amerikanische Konsument wird sich den Einschätzungen der Experten zufolge trotz angespannter Situation robuster erweisen, als viele Marktbeobachter in diesen Tagen befürchten. Auch der Arbeitsmarkt ist immer noch in guter Verfassung, die Kerninflationsrate trotz volatilerer Rohstoffpreise stabil. Letzteres dürfte der US-Notenbank weitere Spielräume verschaffen.

Petersberger Treffen 2007

Zwar wollte nicht jeder Referent den Optimismus von Dr. Wenzel teilen, der das strategische Aktienresearch im Hause AXA Investment Managers verantwortet und vom "Phönix aus der Asche" sprach, aber allgemein wurde angenommen, dass sich die amerikanische Konjunktur mit Blick auf das nächste Jahr wieder fangen wird, nicht selten übrigens mit dem Hinweis, dass ihr dies in den letzten Jahrzehnten in kniffligen Situationen ebenfalls immer wieder gelungen sei.

Petersberger Treffen 2007

Zudem verwiesen mehrere Referenten darauf, dass für den nicht erwarteten Fall einer nachhaltigen Abschwächung des amerikanischen Wirtschaftswachstums die Folgen für die übrigen Märkte der Welt gewaltig wären, ein Szenario, Absturz der US-Börse aber Sonnenschein im Rest der Welt, somit bis auf weiteres nicht vorstellbar sei. Ausdrücklich unterstrichen die Fondsmanager, dass derzeit kein anderes Land, nicht einmal eine ganze Region in der Lage wäre, die Funktion der weltweiten Konjunkturlokomotive von den USA zu übernehmen und sich an die Spitze der "Bewegung" zu stellen.

Petersberger Treffen 2007

Hinsichtlich der aktuellen Finanzkrise, zeigte man sich überzeugt, dass das Ausmaß des Schadens zwar noch nicht in seiner Gänze, wohl aber hinsichtlich seiner Dimensionen bekannt, verstanden und eingepreist sei.

Petersberger Treffen 2007

Das Jahr 2008 könnte an der amerikanischen Börse ein interessantes werden. Viel versprechend erscheinen vor allem jene Sektoren und Branchen, die nur in geringem Maße von den steigenden Rohstoffpreisen betroffen sind und eher exportorientiert sind, was hinsichtlich des schwächeren US-Dollars zum Vorteil gereichen dürfte. Bei den Finanzwerten sehen die Experten langfristig zwar viel Potenzial, halten aber große Engagements noch für verfrüht. Ausdrücklich plädierte die Mehrheit der anwesenden Manager für eine gezielte Einzeltitelauswahl und gegen passive Anlagestrategien auf Basis breit angelegter Indexinvestments. Diese Strategie verbietet sich in ihren Augen nicht nur auf Grund der aktuellen Unsicherheiten den amerikanischen Markt betreffend, sondern vor allem auch mit Blick auf das nun mehr fünfte Jahr der laufenden Hausse.

Petersberger Treffen 2007

Nicht nur die Ausführungen beim Petersberger Treffen 2007 legen einen Blick auf den amerikanischen Aktienmarkt 2008 nahe. Vor allem in der zweiten Hälfte könnte die Notenbankpolitik Wirkung zeigen. Das Fazit einer der vielen Präsentation gibt den Kurs vor: "Zweifellos liegen die goldenen Zeiten hinter den USA, aber man sollte sie auch nicht unterschätzen". Auch die Häufung negativer Statements in den Medien könnte als Contraindikator verstanden werden.