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Japan: Sonnenaufgang am Kabuto Cho? PDF Drucken E-Mail

17. November 2006 im Gästehaus Petersberg.

Petersberger Treffen 2006

Japan: Reformen greifen, Markt interessant, von deutlicher Unterbewertung kann aber keine Rede sein.

Die wichtigsten Punkte:

  • Reformen greifen
  • Vor allem die Bankenlandschaft hat sich konsolidiert und konnte große Teile ihrer maroden Kredite bereinigen
  • Bewertungsniveau fair, allenfalls leicht unterbewertet
  • Nachholbedarf am ehesten bei überverkauften Nebenwerten
  • Auf die Einzeltitelselektion kommt es an (Value aussichtsreicher als Growth)
  • Yen hat Aufwertungspotential, Währung sollte gegenüber Euro nicht gesichert werden
  • Japaner selbst vollkommen unterinvestiert! änderung dieses Verhaltens könnte Boom auslösen
  • Fazit: Japan im weltweiten Vergleich bis auf weiteres im Portfolio "neutral" bis leicht "über-" gewichten.
  • Petersberger Treffen 2006

    Am 17. November fand bereits zum achten Mal das Petersberger Treffen der Firma Drescher&Cie, Gesellschaft für Wirtschafts- und Finanzinformationen mbH statt. Rund 300 Besucher waren der Einladung der Gesellschaft gefolgt, um im ehemaligen Gästehaus des Bundes auf dem Petersberg bei Bonn mit 11 Vertretern namhafter Investmenthäuser über die zukünftigen Entwicklungen am japanischen Aktienmarkt zu diskutieren. Die Vorträge und Diskussionen boten den im Auditorium versammelten Anlegern, Beratern, Vermögensverwaltern, Dachfondsmanagern und Journalisten eine aktuelle Standortbestimmung der japanischen Börse und einen Ausblick auf denkbare Szenarien der näheren Zukunft.

    Petersberger Treffen 2006

    Dabei wurde in Anlehnung an das Motto des Treffens deutlich, daß die Sonne am Kabuto Cho bereits vor geraumer Zeit aufgegangen ist, die Börse die Entwicklungen der japanischen Wirtschaft in den letzten drei Jahren indes nur unzureichend widergespiegelt hat. Der Chief Investment Officer von AXA Investment Managers, Achim Stranz erklärte beispielsweise: "Die japanische Wirtschaft war und ist nicht so marode, wie es aus Sicht der Aktienbörsen häufig wahrgenommen wurde". Dessen ungeachtet läßt sich nach Ansicht der Mehrheit der Referenten zum aktuellen Zeitpunkt kein größerer Nachholbedarf der japanischen Aktien gegenüber den übrigen Weltmärkten erkennen. Das Niveau wird allgemein als fair bewertet beschrieben, allenfalls als leicht unterbewertet. Die Gewinnrenditen sind attraktiv, die Kurs-Gewinnverhältnisse angemessen. Die Kurs-Buchwert und Kurs-Cashflow Verhältnisse sind weiterhin niedrig. Die Profitabilität japanischer Unternehmen ist bei Betrachtung des Gesamtmarktes deutlich gestiegen. Gerade die schlechtesten Unternehmen erzielten hier die größten Fortschritte. Am interessantesten erscheint nach Ansicht von Koji Nakatsuka (RCM) der Small Cap Bereich, der nach der Korrektur im zweiten Quartal dieses Jahres etwas überverkauft wirkt. Paul Danes, Fondsmanager bei Nordea Investments riet zum gezielten Stockpicking. Unterbewertet seien nur jene Titel, die ihre Profitabilität auf dem erreichten Niveau weiter verbessern könnten.

    Petersberger Treffen 2006

    Hinsichtlich des Währungsgefüges bleibt festzuhalten, daß der Yen zwar in den letzten sechs Jahren 50% gegenüber Dollar und Yen verloren hat, derzeit aber eher als unterbewertet angesehen werden muß. Im Falle einer Schließung dieser Bewertungslücke spräche diese Entwicklung sowohl für den japanischen Export, als auch für Währungsgewinne europäischer Investoren. Eine Absicherung der Japaninvestments gegen den Euro wird von den Fachleuten vor diesem Hintergrund in den kommenden Monaten als überflüssig empfunden.

    Petersberger Treffen 2006

    Grundsätzlich gehen die Experten davon aus, daß das makroökonomische und politische Umfeld in Japan wachstumsfreundlich bleiben wird. Dazu werden nicht zuletzt auch die von allen erwarteten weiterhin niedrigen Zinsen beitragen. Wie zu vernehmen ist, will die japanische Notenbank nach einer ersten Zinserhöhung auf 0,25% vorerst keine weiteren Schritt vornehmen.

    Vom neuen Premierminister Abe erwarten die Fachleute eine konsequente Fortsetzung der bereits unter seinem Vorgänger Koizumi eingeleiteten Reformpolitik. Da ehemalige Beamte des Finanzministeriums Schlüsselpositionen in Abes Kabinett besetzt haben, wird allgemein von einem weiterhin restriktiven finanzpolitischen Sparkurs ausgegangen. Zu den primären Herausforderungen Abes werden die Verbesserung der chinesisch-japanischen Beziehungen gezählt, sowie Maßnahmen zur Bekämpfung der sinkenden Geburtenrate und die Vereinheitlichung der Rentensysteme. Auch die Staatsverschuldung in Höhe von 150% des BSP sollte zurückgeführt werden. über den Rückhalt, auf den sich die neue Regierung stützen kann, entscheiden die Oberhauswahlen im Juli 2007.

    Petersberger Treffen 2006

    Eines der Kernprobleme der japanischen Wirtschaft und Börse bleibt die hohe Sparquote der Japaner, die heute mehr als 10 Bio. Euro auf der hohen Kante liegen haben und davon gerade einmal 10% an ihrer Börse investieren. Mehr als 50% der Mittel werden mehr oder weniger liquide gehalten. Rezepte für eine höhere Motivation von Investitionen und höherem Konsum sind bis heute Mangelware. Das ein Umdenken der Privatanleger und Konsumenten einen Boom auslösen könnte, gilt gemeinhin als sicher; daß es sich in diesem Fall um einen schleichenden Prozeß und nicht um ein plötzliches Ereignis handeln dürfte, ebenso.

    Die Immobilienpreise befinden sich auf dem niedrigsten Niveau seit Ende der 80er Jahre. Ein weiteres Abrutschen kann nicht ausgeschlossen werden, wird aber von der überwiegenden Zahl der Experten bezweifelt. Die verbliebenen Preise, rund 13.000 Euro / Quadratmeter in Randlagen Tokios, werden auf das begrenzte Angebot zurückgeführt. Nur 20% der Grundfläche Japans sind überhaupt für die Besiedelung und industrielle Erschließung geeignet.

    Petersberger Treffen 2006

    Während bereits dreimal (1992, 1995 und 1998) der Eindruck entstand, Japan würde sich von den großen Kursrückschlägen Anfang der 90er Jahre erholen, wurden diese Hoffnungen immer wieder durch neue Tiefststände zunichte gemacht. Die derzeitige Erholung scheint nach Ansicht der Referenten auf dem Petersberger Treffen 2006 nachhaltiger als die Strohfeuer der Vergangenheit zu sein. Die Konjunktur steht heute besser dar, das Vertrauen der Japaner in ihr Bankensystem und ihre Wirtschaft ist wieder größer geworden und die Unternehmensinvestitionen haben zugenommen. Den japanischen Markt sollte also niemand meiden. Darin war man sich einig. Von einem billigen Markt, der die Kursrakete der nächsten 12 Monate zündet, wollte aber auch niemand sprechen.

    Petersberger Treffen 2006

    Mit einem festen Platz im Veranstaltungskalender der deutschen Fondsindustrie freuen wir uns auf das neunte Petersberger Treffen in 2007 als außerordentliche Sektorkonferenz für offene Investmentfonds.