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Globale Aktienmärkte, David und Goliath PDF Drucken E-Mail

18. November 2005 im Gästehaus Petersberg.

Petersberger Treffen 2005

Die "Super-Baisse" liegt hinter uns! Seit März 2003 steigen die Kurse an den globalen Aktienmärkten, von kurzen Korrekturen unterbrochen, wieder rasant. Auf dem erreichten Niveau stellt sich nunmehr die Frage, in welcher Phase des "Hausse-Zyklus" wir uns aktuell befinden. Wird der Trend noch eine Fortsetzung finden, und wenn ja, wie weit trägt er? Drohen die Rohstoffkosten das Wachstum zu strangulieren? Welcher Stellenwert sollte Aktienanlagen im Rahmen der Asset Allocation im nächsten Jahr eingeräumt werden?

Mit den folgenden Gästen:
Dr. Jens Erhardt, Dr Jens Erhardt Kapital AG
Anne Gudefin, Franklin Mutual Advisors
Rajiv Jain, Vontobel Asset Management
Dr. Hendrik Leber, ACATIS GmbH
Hans Joerg Naumer, Deutscher Investment Trust
Daniel K. Nordby, Alliance Capital
Kim Asger Olsen, Nordea Investment Funds S.A.
Jeremy Podger, Threadneedle Investments
Claudia Rathgeb, Capital International Funds
Harald Staudinger, Activest Investmentgesellschaft mbH
Philipp Vorndran, Credit Suisse Asset Management
Winfried Walter, Albrech & Cie AG

Petersberger Treffen 2005

Die Hausse setzt sich fort, es reicht aber nicht mehr den Markt zu kaufen!

Alljährlich im November lädt die Firma Drescher & Cie GmbH zum Petersberger Treffen in das ehemalige Gästehaus des Bundes auf den Petersberg bei Bonn ein. Am 18. November war es einmal mehr soweit. 12 Fondsmanager namhafter Investmentgesellschaften und über 300 Gäste waren der Einladung gefolgt und verbrachten einen gleichermaßen informativen, wie unterhaltsamen Abend. Das Thema des diesjährigen Treffens lautete "Internationale Aktienmärkte: David und Goliath". Neben einer Standortbestimmung innerhalb des Konjunkturzyklus und der laufenden Aktienhausse war es den Veranstaltern ein Anliegen, auch über mögliche Zusammenhänge zwischen Volumina, Researchkapazitäten und Wertentwicklungen von Fonds zu sprechen.

Mit Blick auf die vor uns liegenden Monate zeigten sich die Fondsmanager in der Mehrheit verhalten optimistisch. Die Hausse geht weiter, da war man sich einig, aber es wird schwieriger, den Anteilsinhabern eine zufrieden stellende Wertentwicklung zu präsentieren. Allein schon die Statistik mahnt zur Vorsicht und erhöhter Aufmerksamkeit. Schließlich dauert eine durchschnittliche Baisse statistisch etwa 12 Monate, eine repräsentative Hausse rund 36 Monate. Berücksichtigt man, dass die Kurse an den weltweiten Aktienmärkten seit März 2003 annähernd ohne nennenswerte Korrekturen gestiegen sind, liegt der Schluss nahe, dass "ein großer Teil der Ernte bereits eingefahren ist."

Wie viel? In diesem Punkt divergierten die Meinungen. Die Ende 2002 erkennbaren großen Bewertungslücken sind in der Masse geschlossen. Darüber hinaus bereits gesehene und weitere erwartete Kursgewinne resultieren eher aus dem Wachstumspotential, dessen Größenordnung unterschiedlich eingeschätzt wird.

Petersberger Treffen 2005

Dr. Hendrik Leber (Vermögensverwaltung Acatis), unter anderem Fondsmanager des Acatis Aktien Global UI, zeigte sich einmal mehr überzeugt vom Bottom Up Ansatz, im Zuge dessen makroökonomische Entwicklungen nicht überbewertet werden sollten. Chancen böten sich immer, sie müssten nur gesucht und genutzt werden. Lebers Ertragsquellen für Alpha sind nach eigenen Worten Fälle unterbewerteter Substanz, unterschätzter Ertragskraft, unbeobachteter Regionen, Branchen und Marktsegmente, sowie vom breiten Markt überschätzte Risiken. Er malte davon unberührt das Bild des "gefesselten Riesen Deutschland", der grundsätzlich reformbereit ist und genauso wie das ganze Europa enormes Wachstumspotential bietet. Deutschlands junge Unternehmen sieht er symbolisch für die Wachstumsdynamik Europas, die sich noch beschleunigen könnte, wenn die Bürokratie weiter abgebaut und seitens der Politik bessere Rahmenbedingungen geschaffen würden. Für einen stärkeren Fokus der Investoren auf Europa spricht aus Lebers Sicht auch das attraktivere Bewertungsniveau gegenüber den USA und die Einschätzung, dass Asiaten lieber in Europa als in den USA investieren. Sein abschließendes Plädoyer für die Schwellenländer als wichtigen Baustein zukunftsorientierter Portfolios teilten annähernd alle seine Kollegen.

Philipp Vorndran, Geschäftsführer der Credit Suisse Asset Management (Deutschland) ging von einem Jahr 2006 aus, das die Aktionäre weltweit positiv überraschen werde. Grundsätzlich sieht zwar auch er Aspekte, die zur Zurückhaltung mahnen, wie z.B. die mehr oder weniger unkalkulierbaren Entwicklungen der Rohstoffpreise, insbesondere des Ölpreises, erwartet aber für das kommende Jahr noch überwiegend positive Rahmenbedingungen und Konjunkturentwicklungen. Das Wachstum wird sich nach seiner Einschätzung weltweit leicht abschwächen, aber noch keinen Grund zur Besorgnis an den Aktienmärkten bieten. Vorndran empfahl in den Portfolios den Schwerpunkt auf den Aktienmärkten zu behalten, aber nicht mehr unkontrolliert indexnah zu investieren, sondern gezielter. In diesem Zusammenhang sollten hier vor allem die Schwellenländer, Rohstoffaktien und Edelmetalle überproportional stark berücksichtigt werden.

Petersberger Treffen 2005

Hans Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse beim Deutschen Investment Trust (dit) teilte Lebers Sympathien für den deutschen Aktienmarkt. Naumer sieht deutsche Aktien sogar immer noch mit einem erheblichen Discount gehandelt. Weltweit hält er die Bewertungen im Schnitt zwar nicht mehr für billig, aber immer noch für attraktiv. Vieles hinsichtlich der Entwicklungen der Aktienmärkte im nächsten Jahr hängt in seinen Augen von der weiteren Entwicklung des Ölpreises ab. Bis auf weiteres stimmen für ihn aber sowohl die Gewinndynamik als auch die Konjunkturaussichten.

Dr. Jens Ehrhardt, Gründer und Gesellschafter der gleichnamigen Vermögensverwaltung und Investmentgesellschaft DJE Kapital AG sezierte in seinem Vortrag förmlich die Kapitalmärkte und mahnte an mehreren Stellen zur Vorsicht. Sein Fazit fiel positiv - mit Abstrichen aus. Bezogen auf den Cashflow sind US-Aktien aus seiner Sicht doppelt so teuer wie europäische, die Dividendenrendite umgekehrt fast doppelt so hoch wie die amerikanischer Titel. Auch die Umsatzbewertung unterstreicht nach seiner Einschätzung eine fundamentale Unterbewertung europäischer Aktien gegenüber amerikanischen. Vor diesem Hintergrund spricht nach Ehrhardts Ansicht viel für einen weiteren Nachholbedarf europäischer Aktien, insbesondere der deutschen. Besonderes Kopfzerbrechen bereitet ihm nach wie vor die amerikanische Rekordverschuldung, die für den Staat, die Unternehmen und die privaten Haushalte zusammengerechnet beim dreifachen des BIP liegt. Schwierigkeiten sieht er auch vom überhitzten Rentenmarkt drohen, dessen aktuelle Situation er analog zum Bild der Aktienmärkte Ende der 90er Jahre interpretiert. Und so verwunderte es nicht, dass Ehrhardt seinen Vortrag mit einem Bericht von Optionsmarkt schloss, an dem er positive Signale für Gold ausgemacht haben will. Ähnlich der Einschätzung von Vorndran hält er Gold für eine besonders stabilisierende Komponente in den Depots der Anleger.

Petersberger Treffen 2005

Claudia Rathgeb, Fondsmanagerin bei Capital International Funds, verwies in ihren Kommentaren vor allem auf das Wachstumspotential der Unternehmen, das aus der weltweit notwendigen Verbesserung und Modernisierung der Infrastruktur resultiert. Angesichts der allerorts zu beobachtenden Budgetprobleme der Länder erwartet sie, dass Investitionen in die Infrastruktur wahrscheinlich immer häufiger durch Partnerschaften zwischen Staaten und privaten Unternehmen getragen werden. Beispielhaft für diesen erst am Anfang stehenden Trend führte sie die Bereiche Straßenbau, Energie- und Wasserversorgung an.

Daniel Nordby, Fondsmanager bei ACM prognostizierte einen Rückgang des weltweiten Wirtschaftswachstums im kommenden Jahr von 3,4% auf 3,2%, erwartet dessen ungeachtet, dass das Jahr 2006 an den Börsen eher eine Phase sich gut entwickelnder Wachstumswerte sein wird. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen empfahl Nordby angesichts dieser Einschätzung den amerikanischen Markt weiter etwas überzugewichten, die Schwellenländer stärker zu berücksichtigen und Europa und Japan eher weniger Aufmerksamkeit zu schenken. Er plädiert vor allem für Pharma-, Energie- und Rohstoffwerte, und wird Finanzwerte eher weniger berücksichtigen.

Die Entwicklung japanischer Aktien sah Harald Staudinger, Fondsmanager bei Activest ganz anders. Er ist von Japan überzeugt, und hat das Land der aufgehenden Sonne in seinem Activest Global Select sogar mit 27% gewichtet, annähernd genauso stark wie die USA und Europa. Staudinger sieht das lange Jahre schwer erkrankte japanische Bankensystem auf Genesungskurs. Die maroden Kredite werden nach seiner Ansicht Stück für Stück zurückgefahren. Insgesamt präsentiert sich Japan in Staudingers Augen in besserer Verfassung als noch vor wenigen Jahren, die Deflation scheint besiegt, die Beschäftigung steigt und das Konsumentenvertrauen nimmt zu. Und dabei sind die Erfolgsgeschichten des Nikkei und des Topix in diesem Jahr für ihn erst der Anfang eines langen Trends. Schließlich wurden die derzeitigen Kursgewinne fast ausschließlich von ausländischen Investoren getragen. Noch horten die Japaner 85% ihrer eigenen Mittel cash.

Petersberger Treffen 2005

Jeremy Podger, Fondsmanager des Threadneedle Global Select warb für den südkoreanischen Markt, den er für besonders interessant und attraktiv bewertet hält. Vor allem der fortschreitende Strukturwandel beeindruckt ihn. So macht z.B. die Entflechtung der großen Mischkonzerne gute Fortschritte, was sich auch für die Aktionäre auszahlt. In besserer Verfassung zeigt sich seiner Ansicht nach auch die lange Zeit sehr volatile Währung, der Won, was Podger auf gute Rahmenbedingungen, nicht zuletzt auch staatlicherseits zurückführt. Die politischen Risiken im Zusammenhang mit dem benachbarten Norden hält er für kalkulierbar. Das größte Potential räumt er in Südkorea den Finanzwerten ein, wo Threadneedle auch übergewichtet ist.

Noch einen Schritt weiter als Podger ging Winfried Walter, Fondsmanager des Albrech & Cie Optiselect. Er nannte die Koreaner sogar liebevoll die "Preußen Asiens" und zeigt sich besonders von ihren Tugenden wie Fleiß und Sparsamkeit überzeugt. Walter beeindrucken in erster Linie die anhaltend hohen Wachstumsraten Asiens, die sich seiner Ansicht nach mit einer angeratenen 30% Gewichtung auch in den Depots deutscher Anleger widerspiegeln sollten. Asien übernimmt die Funktion der weltweiten Konjunkturlokomotive von den USA. In den europäischen Volkswirtschaften wird der Konsum seiner Ansicht nach auch im kommenden Jahr nicht richtig laufen. Entscheidend wird es für europäische Aktionäre auf die Exportentwicklung ankommen. Wie schon Dr. Ehrhardt warnte auch Walter vor dem Doppeldefizit in den USA. Ein starker Einbruch der amerikanischen Aktienmärkte zöge nach Einschätzung Walters für den Fall der Fälle eine weltweite Korrektur von gut 20% nach sich. Zur Diversifizierung empfahl er in den Depots der Anleger 5% Gold und eine 15% große Kasse, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Petersberger Treffen 2005

Rajiv Jain, Fondsmanager mehrer internationaler Fonds von Vontobel Asset Management stellte sein Referat unter das prägnante Motto "Emerging Markets, a good buy oder goodbye?" Erwartungsgemäß entschied er sich am Schluss für ersteres. Schwellenländer waren in den letzten fünf Jahren Outperformer und bleiben es für Jain auch. In den Emerging Marktes findet sich seines Erachtens ein großer Teil der produktivsten und profitabelsten Unternehmen weltweit: von mexikanischen Bierbrauern bis zu indischen Softwarehäusern. Interessant macht die Märkte der Schwellenländer aber seiner Meinung nach nicht nur ihr Wachstum, sondern auch ihre vergleichsweise niedrige Korrelation zu den etablierten Märkten was sie im Rahmen der Diversifikation empfiehlt.

Kim Asger Olsen, Head of Investment im Hause Nordea, zeigte sich für das kommende Jahr verhalten optimistisch und gut vorbereitet. Als Value-Manager erklärte er, wie auch Growth-Manager-Kollege Daniel Nordby, die aktuell in der Presse geführte Diskussion über den Wechsel zwischen Growth- und Value-Funds für zu pauschal und bisweilen sogar akademisch. Beide Stile haben nach seiner Einschätzung ihre Daseinsberechtigung. Die Herausforderung liege im Timing.

Hinsichtlich der Frage nach einer Korrelation zwischen Fondsgröße und Wertentwicklung eines Investments konnte einmal mehr kein Konsens zwischen den Vertretern kleiner und großer Investmentgesellschaften gefunden werden. Während Dr. Hendrik Leber versuchte das Bild von "großen und kleinen durch das Unterholz jagenden Trüffelschweinen" in das Unterbewusstsein der Zuhörer zu projizieren, verwiesen die großen Häuser und Global Player unter anderem auf die Kontinuität des Managements einer auf umfangreichem Research beruhenden Investmentfirma, die sich einer Vielzahl guter Analysten und Fonds mit verschiedenen verfolgten Strategien bedienen könne.

Petersberger Treffen 2005

In der Summe der Eindrücke und Meinungen dämpft das Petersberger Treffen 2005 die Erwartungen vieler Anleger, die weiter von zweistelligen jährlichen Renditen träumen, weist aber dem besonnen Investor mit einigen Empfehlungen den Weg:
Kein übertriebener Aktionismus beim Wechsel von Value- zu Growth Funds, Fonds können ungeachtet der Größe erfolgreich sein, das kommende Jahr legt aktive Managementansätze näher als passive, Emerging Marktes gehören in das Portfolio, Rohstoffe insbesondere Gold ebenso.
Außerdem ist Deutschlands Wirtschaft besser als ihr momentaner Ruf vielerorts und die Frankfurter Börse liefert weiteres Potenzial.

Schon fast selbstverständlich die Verabschiedung vieler Besucher des Petersberger Treffens 2005: "Bis zum nächsten Jahr!"

Kurzfilm Petersberger Treffen - hier klicken

 Kurzer Trailer vom Petersberger Treffen 2005, bitte auf das Bild klicken...