| Sustainability - Wie korrelieren Moral und Rendite? |
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17. November 2003, Gästehaus Petersberg
Die Nachhaltigkeit des Wirtschaftens ist seit Jahrzehnten ein Thema von wachsender Bedeutung. Immer häufiger sind ökologische und sozial-ethische Aspekte gelebter Bestandteil der Unternehmensführung. Auch von staatlicher Seite erfährt der Anlagestil Befürwortung, was nicht zuletzt an der Einführung der „Ökoberichtspflicht“ im Rahmen der Riester-Rente abgelesen werden kann. Die Zahl von Sustainability-Fonds auf dem deutschen Markt wächst langsam aber stetig. Dabei unterscheiden sich die verfolgten Managementansätze: Konzentriert man sich auf Aktien einer bestimmten Branche, beispielsweise der alternativen Energieerzeugung, oder schließt über Negativ-Kriterien bestimmte Segmente, beispielsweise Rüstung, aus? Die letzten Jahre haben bewiesen, dass ein „reines Anleger-Gewissen“ der Rendite nicht im Weg stehen muss. Sustainability wird als Thema in der Fondsbranche weiter an Bedeutung gewinnen. Mit folgenden Gästen: Mit diesen Gästen konnten einmal mehr herausragende Fondsmanager als Referenten für das Petersberger Treffen gewonnen werden. Auch die hochkarätige Diskussionsrunde im Anschluß an die Vorträge lässt wieder einen aufschlussreichen Abend mit wichtigen Impulsen für die Meinungsbildung erwarten. Offene Publikumsfonds "Sustainability" erfreuen sich zwar wachsender Beliebtheit in Deutschland, sie bleiben jedoch zunächst Nischenprodukte. In den letzten beiden Jahren stieg die Zahl derart spezialisierter Fonds jeweils um 25%. Aktuell sind 64 offene Publikumsfonds in den Datenbanken gelistet. Sie verwalten zusammen zwei Milliarden Euro, was einem Marktanteil von 0,5% entspricht. Wie die breite Masse der deutschen Anleger zu den Produkten steht, kann am besten an einer aktuellen Umfrage von Infratest abgelesen werden. Jeder dritte Anleger würde sogenannte "nachhaltige Investments" gegenüber anderen Anlagen vorziehen, wenn sie die gleiche Rendite erzielen. Jeder vierte würde zu Gunsten sozialer und ökologischer Kriterien sogar auf Rendite verzichten. In diesem Zusammenhang liegt die Frage nahe, ob zwei Drittel der deutschen Anleger wirklich egal ist, wie ihre Rendite erzielt wird? Haben Kinderarbeit, Umweltverschmutzung, Waffen, etc. ihre Schrecken verloren? Dass ein Drittel, bei gleicher Rendite, "nachhaltige Investments" vorziehen würde, ist wohl eher selbstverständlich. Bemerkenswert sind jene 25%, die sogar eine niedrigere Rendite akzeptieren würden. Da jedoch die realen Absatzzahlen den Statements bei der Umfrage widersprechen, muß angenommen werden, das zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch Welten liegen. Einigkeit herrschte unter den Experten darüber, dass unter dem Schlagwort "Nachaltigkeit" ein Wirrwarr von Themen subsumiert wird, deren direkte Zugehörigkeit zum Komplex "Sustainability" stark zu hinterfragen ist. Hierzu zählen Sektoren wie "erneuerbare Energien", "Wasser-Fonds", "Ethik-Fonds", kirchlich christlichen Anschauungsbildern folgende Fonds und auch "Umwelttechnologie-Fonds". Über die Definitionen, so konnte man den Eindruck erhalten, lässt sich vortrefflich diskutieren. Dass man die Produkte nur schwer mit einander vergleichen kann, wurde jedoch einstimmig festgestellt. Zwei Kategorien von Managementansätzen waren erkennbar: Zum einen der Vorgang nach Negativkriterien, der zum Ausschluß ganzer Branchen, wie z.B. Tabak, Nuklearenergie, Rüstung und ähnlichen führt. Zum anderen das Scoring breiter Anlage-Universen mit dem Blick auf die Beachtung und das Engagement aller Unternehmen hinsichtlich definierter ökologischer und sozialer Standards. In der Praxis finden sich beide Ansätze separat, aber auch in der Kombination. Hinsichtlich ihrer Vorgehensweise unterscheiden sich die Anbieter im Research. Während beispielsweise Sarasin innerhalb seines Hauses eigene Kapazitäten aufgebaut hat, ist ein Großteil der Gesellschaften dazu übergegangen, externes Wissen von Datenbankanbietern, wie z.B. der SIRI-Group einzukaufen und diese Informationen in den eigenen allgemeinen Auswahlprozess zu integrieren. In anderen Fälle wird das wachsende Universum von Indizes (Dow Jones Sustainability, FTSE4good, Natur-Aktien etc.) als "Rohling" genutzt. Spätere Fondsprodukte unterscheiden sich nur noch in sofern von der Benchmark, als nach eigener Einschätzung erforderliche über- und Untergewichtung vorgenommen werden. Welcher Weg erfolgversprechender ist, kann angesichts der Kürze bisher existierender Untersuchungszeiträume noch nicht ausreichend beurteilt werden. Dass das Benchmarkkonzept schneller und pflegeleichter zu handhaben ist, liegt ebenso auf der Hand, wie eine Uniformierung und Standardisierung der Produkte, denen der gleiche Index zu Grunde liegt. "Does it pay to be green?" Unter dieser Fragestellung wurde mit dem Vorurteil aufgeräumt, aus einem Nachhaltigkeitsansatz ließe sich dauerhaft ein renditetreibender Faktor, also ein Performancemehrwert ableiten. Es wurde gleichzeitig aber auch festgehalten, dass ein Renditenachteil ebenso wenig zwingend aus diesem Ansatz resultieren muß. Anspruch der Fondsmanager ist es, trotz des freiwillig eingegrenzten Anlageuniversums kein schlechteres Ergebnis als jene Kollegen zu erwirtschaften, die diesen Restriktionen nicht unterliegen und somit das theoretisch "optimale Depot" konzipieren könnten. Interessanterweise werden auch die Anlageinstrumente des Themenuniversums "Sustainability" immer vielseitiger. So hat Sarasin beispielsweise einen "nachhaltigen" reinrassigen Rentenfonds aufgelegt, der es dem Investor ermöglicht, über seine Asset Allocation hinweg den Ansatz zu verfolgen. Das belgische Investmenthaus Dexia hat unlängst sogar einen börsengehandelten Indexfonds für den Dow Jones Sustainability aufgelegt. Damit wird es nachhaltig orientierten Anlegern ermöglicht, auch kurzfristig an Börsenentwicklungen zu partizipieren. Sind nachhaltige Investments eine Depotbeimischung oder eine Frage der Grundeinstellung? Zu diesem Thema befragt, zeigten sich die Fondsmanager als Realisten. Sie freuen sich auch über kleinere Depotbeimischungen, mit denen Anleger erste Erfahrungen sammeln wollen. Generell drängt sich in diesem Zusammenhang dem objektiven Betrachter die Frage auf, ob man "etwas" schwanger sein kann. Warum sollte man mit beispielsweise 10% seines Portfolios nachhaltig investieren, während es einem bei den übrigen Anlagen egal, auf welche weise die Rendite erwirtschaftet wird.
Fazit: Nachhaltige Investments erfreuen sich wachsender Beliebtheit, vor allem bei jenen institutionellen Investoren, die quasi von Haus aus angehalten sind, ihre Mittel mit einem "reinen Gewissen" anzulegen. Unter den Privaten ist bisher allenfalls Aufmerksamkeit errungen worden. Die Rolle des Staates bleibt noch zu definieren. Er hält zwar an, zu berichten, wie man als Vermögensverwalter zu diesem Thema steht, macht jedoch keinerlei Auflagen, wie zu investieren ist. Die Schwierigkeit liegt für ihn vor allem in der Definition von Standards. Was die Zukunft "nachhaltiger Investments" angeht, bleibt eine äußerung von Andreas Knörzer bemerkenswert. Er machte sich selbst und der übrigen "Sustainability-Industrie" den Vorwurf, den potentiellen Anlegern viel zu häufig zu erklären, wie und mit welchen Selektionsinstrumenten "nachhaltige" Fonds gemanagt würden, anstatt öfter darauf hinzuweisen, warum es so wichtig ist, im weitesten Sinne "umweltverträglich" zu investieren. |







