Projekt €uropa, Anspruch und Wirklichkeit PDF Drucken E-Mail

27.09.2002, im Gästehaus auf dem Petersberg

Petersberger Treffen 2002

Die zum Jahreswechsel erfolgte Einführung des Euro-Bargeldes war der sichtbarste Schritt des wirtschaftlichen Zusammenwachsens Europas. Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion steht mit der Osterweiterung vor einer weiteren historischen Herausforderung. Die Zerreißprobe zwischen Subventions-Bürokratie einerseits und effizientem Freihandel andererseits spitz sich zu. Chancen und Risiken für die europäische Wirtschaft liegen dicht beieinander. Die alte Welt ist damit nicht nur einer der größten Kapitalmärkte geworden, sondern auch zu einem der interessantesten.

  • Der europäische Weg.
    Supermacht Europa? Wie stark oder schwach wird der vereinte Kontinent? Wie fest sind die transatlantischen Bande? Kann sich Europa von den USA abkoppeln?
  • Die europäische Währung.
    Welche Rolle spielt der Euro? Wer profitiert von der Gemeinschaftswährung? Wer verliert? Welchen Stellenwert haben Investments in Fremdwährungen?
  • Die europäischen Regionen.
    Welche Bedeutung haben Skandinavien, die iberischen Staaten, die Mittelmeeranrainer? Welche Trends prägen das "Europa der Regionen"?
  • Die europäische Sonderrolle.
    Europäer „außerhalb EUROpas“. In welcher Situation sind die Staaten, die nicht an der Währungsunion teilnehmen, insbesondere Großbritannien und die Schweiz?
  • Mit folgenden Gästen:

    Corinna Eller-Stapp (Value Management & Research AG)
    Anko Beldsnijder (ehemals Griffin)
    Uwe Röhrig (JPMorgan Fleming Asset Management)
    Michael Fraikin (Invesco Asset Management)
    Kim Asgar Olsen (Nordea investmentfonds S.A.)

    konnten einmal mehr herausragende Fondsmanager als Referenten für das Petersberger Treffen gewonnen werden. Auch die hochkarätige Diskussionsrunde im Anschluß an die Vorträge läßt wieder einen aufschlussreichen Abend mit wichtigen Impulsen für die eigene Meinungsbildung erwarten.

    Am 27. September folgten 120 Gäste unserer Einladung auf den Petersberg ins ehemalige Gästehaus des Bundes, um mit fünf Europa-Fondsmanagern eine Standortbestimmung unseres "Heimatmarktes" vorzunehmen. Vor diesem Hintergrund stellten sich Corinna Eller Stapp (Value Management & Research), Uwe Röhrig (JPMorgan Fleming), Anko Beldsnijder (ehemals Griffin), Michael Fraikin (Invesco) und Kim Asger Olsen (Nordea) im Anschluß an Kurzvorträge unseren Fragen und denen des Publikums.

    Petersberger Treffen 2002

    Helmut Pachl, Vielen Dank für die gelungene Einleitung

    Dabei wurde erfreulicherweise sehr sachlich und vor allem losgelöst von einzelnen Produkten diskutiert, wenig beschönigt, Fehler, soweit gemacht, eingestanden, aber leider auch keine konkreteren Erwartungen für die nähere Zukunft formuliert. Zu häufig hat man wohl in den letzten Jahren zu früh ein Ende der Baisse angekündigt, unrealistische Indexstände prognostiziert oder einzelne Titel empfohlen, die den Erwartungen nicht gerecht werden konnten. Zudem schwebt weiterhin das Damoklesschwert eines drohenden Golfkriegs über den Märkten, das als unberechenbarer Faktor angesehen wird.

    Man war sich einig, daß die europäischen Aktien gemessen an ihren Indizes, unterbewertet sind. Meinungsverschiedenheiten zeigen sich allenfalls bei der Bestimmung der Größe dieser Unterbewertungen. Wann diese Bewertungslücken geschlossen werden, darüber wagt man allenfalls zu spekulieren.

    Das vierte Quartal könnte unter diesem Gesichtspunkt sehr interessant werden, sollte es nicht zu unkontrollierbaren externen Störfaktoren kommen. Allerdings sahen alle Anwesenden im Eintreten einer technischen Erholung auf breiter Front, deren Wahrscheinlichkeit täglich zunimmt, noch lange nicht unbedingt das Ende der Baisse.

    Petersberger Treffen 2002

    Hierzu müssten wohl noch einige andere Umstände positiv begleitend eintreten, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Die Vertrauenskrise, die in ursächlichem Zusammenhang mit dem sogenannten „Käuferstreik“ steht, muß überwunden werden. Beispielhaft steht hier der deutsche Aktienfondsmarkt. Konnte er im Jahr 2002 noch Mittelzuflüsse in Höhe von 47 Mrd. Euro verzeichnen, waren es 2002 bisher nur 1,7 Mrd. Euro. Die Zahl der IPOs sank im selben Zeitraum auf annähernd "Null".

    Hierbei sind nach Ansicht von Kim Asger Olsen einerseits die Analysten und Anleger gefragt, die Informationen der Unternehmen und der Analysten strenger unter die Lupe zu nehmen, andererseits der Gesetzgeber, vorsätzlichen Bilanzbetrug unter drakonische Strafen zu stellen und die Rahmenbedingungen für buchhalterische Kreativität in den Bandbreiten gesetzlicher Ordnung stärker einzuschränken. Nur so könne die Vertrauenskrise in die Unternehmensgewinne wieder hergestellt werden.

    Petersberger Treffen 2002