| Neue Märkte, neue Regeln? |
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15. Oktober 1999, Gästehaus Petersberg
1. Petersberger Treffen 1999 Am 15. Oktober 1999 fand erstmals das "Petersberger Treffen" statt. Im exklusiven Ambiente des Gästehauses Petersberg in Königswinter bei Bonn beschäftigten sich qualifizierte Experten mit einem der interessantesten Börsenthemen der letzten Jahre: dem Neuen Markt. An Sinn und Erfolg dieses jungen Marktsegmentes bestehen keine Zweifel mehr. Aber zweieinhalb Jahre nach Gründung des Neuen Marktes könnten die Meinungen über eine angemessene Bewertung von Aktien in diesem Segment kaum größer sein:
Hans A. Bernecker Karl Fickel Das 1. Petersberger Treffen An Informations-Ständen in der Vorhalle bestand unter anderem die Möglichkeit das Drescher & Cie Team im Gespräch kennen zu lernen und sich über die Arbeit des Verein zur Förderung der Investmentidee in Deutschland eV. zu informieren. Wer besonderes Glück hatte, konnte bei einem wunderschönen Blick auf das Rheintal kurz vor Beginn der Veranstaltung den Sonnenuntergang genießen und das besondere Ambiente des Gästehauses Petersberg erleben. Nach einer kurzen Begrüßung wurden durch Herrn Arning (Geschäftsführer Drescher&Cie GmbH und Leiter der anschliessenden Diskussion) Geschichte und Wesen der Neuen Märkte dargestellt. Umfassend wurden hier alle Details der Märkte erarbeitet und dargestellt. Karl Fickel eröffnete die Podiumsdiskussion mit einer Liste von Kriterien, die bei der Betrachtung von Neuen Markt Unternehmen relevant sind. Erhöhte Aufmerksamkeit genießen in seinen Augen vor allem jene Unternehmen, die eine substantielle "Story" in sich bergen. So z.B. die aus Jena stammende Intershop AG. Allein auf organischem Wachstum basierend, überzeugt dieses Unternehmen auf den Märkten, unter anderem auf dem hart umkämpften nordamerikanischen. Hinter anderen Unternehmen stehen Unternehmerpersönlichkeiten, von deren persönlichem Engagement Aufstieg und Fall eines Unternehmens abhängen, wie z.B. die Haffer Brüder oder Herr Mühlbauer. Allgemein sieht Karl Fickel mehr Chancen als Risiken, also mehr qualitativ hochwertige Titel als Flops am Neuen Markt. An dieser Stelle hakt Hans A. Bernecker ein. Es steht nicht zur Diskussion, daß sich am Neuen Markt Qualitätstitel befinden, es geht viel mehr um Dissonanzen in der Bewertung. Stories betrachtet der alte Hase Bernecker, nachdem er seinerzeit an der NSU Story mitgewirkt hat, kritischer. Damals wurde eine revolutionäre Neuentwicklung präsentiert, der Wanckelmotor. Wir alle kennen das Ende der Geschichte. Mit Spannung werden die 99er Bilanzen erwartet. Allerdings sieht er keinen Crash des Marktes voraus, vielmehr viele Rückkopplungen einzelner Unternehmen, wie sie dieses Jahr schon häufiger zu beobachten waren. Beispielhaft zu nennen ist in diesem Fall die Drittelung einiger Telekommunikationswerte, namentlich Mobilcom und Teldafax. Werden die hohen Erwartungen, die in den Kursen impliziert sind, nicht erfüllt, kommt es zu starken Reaktionen. Da es sicherlich auch einige "Totalausfälle" geben wird, empfiehlt der Befürworter von Direktanlagen in Aktien, das Stockpicking am Neuen Markt erfahrenen Fondsmanagern zu überlassen. Gerade die Marktmacht der Fondsmanager erfordert ein hohes Maß an Disziplin in diesem neuen Börsensegment. Unternehmen mit einer geringeren Marktkapitalisierung, aber auch Schwergewichte mit einem kleinen Freefloat bergen die Gefahr von Kursexzessen in sich. Laut Bernecker sollten sich die Marktakteure insbesondere nach starken Kursanstiegen zwei Fragen stellen: Ist das Kursniveau "ordentlich" zustande gekommen? Und: Ist die Bewertung noch fair? Im Internetzeitalter sind Bewertungen schnell überholt, die Marktzutrittsschranken für neue Unternehmen sind sehr niedrig, Produkte leicht kopierbar und damit die Margen hohem Druck ausgesetzt. Sogar ein Marktführer kann schnell an Boden verlieren. Es zeigt sich, so sinnvoll und wichtig ein Markt ist, an dem sich junge Unternehmen unter erleichterten Bedingungen Eigenkapital beschaffen können, so wichtig ist es auch, daß einerseits sich das Regelwerk mit dem Markt weiterentwickelt und dabei Grenzen aufzeigt, andererseits Marktakteure verantwortlich mit ihrer Marktmacht umgehen. Investmentfonds können dabei eine stabilisierende Rolle übernehmen. |






