| Tacheles 2011 |
|
|
|
Das InvestmentgesprächPetersberg, 22. November 2011
"Vertrauen kann man weder erzwingen, noch verordnen!" "Fair, sicher und transparent", diese drei Worte schrieb Michael Spreng, Kommunikationsberater und ehemaliger Chefredakteur der "Bild am Sonntag", anlässlich des Veranstaltungsformats "Tacheles 2011" der Finanzindustrie mit Blick in die Zukunft ins Stammbuch. "Fair" sollte der Umgang und die Beratung erfolgen, so Spreng, dem Qualitätsanspruch "sicher", sollten die empfohlenen Produkte genügen und "transparent" müssen Handlungsweisen und Prozesse sein. Spreng ist überzeugt, der Weg aus jener Vertrauenskrise, die das Verhältnis zwischen Anlegern und Finanzindustrie seit geraumer Zeit belastet, führt allein über vertrauensbildende Maßnahmen und Erfahrungen. "Das Denken" muss sich ändern, so Spreng, und zwar aus dem Inneren der Branche heraus. "Vertrauen kann man nicht staatlich verordnen oder gar erzwingen". Erst wenn die Anleger andere, bessere Erfahrungen gesammelt haben und das Gefühl wieder entsteht, dass das persönliche Profil bei der Beratung wichtiger ist als der Verkaufserfolg, wird ein Umdenkungsprozess einsetzen. Dem pflichteten auch die aus Berlin zum Gespräch angereisten Politiker bei. Dr. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen und Ralph Brinkhaus, Mitglied des Finanzausschuss des Bundestages (CDU) sehen den Gesetzgeber zwar in der Regulierungsverantwortung, also in der Position Rahmenbedingungen vorgeben zu müssen, sind aber ebenso wie Spreng der festen Überzeugung, dass die entscheidenden Impulse aus der Branche selbst kommen müssen. Zitat Brinkhaus: "Man kann nicht alles regeln. Manches muss einem auch der gesunde Menschenverstand sagen". Schick erklärte: "Wir müssen vor allem die Beratungsqualität verbessern. Es ist zu viel Geld in schlechte Produkte geflossen", sagte Schick und benutzte den Begriff des "stupid german money", der in anderen europäischen Ländern benutzt werde - es sei einfach, in Deutschland an das Geld der Anleger zu kommen. Eine große Bedeutung kommt nach Einschätzung der Volksvertreter gerade mit Blick auf die Transparenz, der Höhe und der Art der Vergütungen zu. Wäre den Anlegern an dieser Stelle immer klar gewesen, wie die Vermittlung entsprechender Produkte honoriert wurde, wäre es zu Exzessen, wie beispielsweise im Vertrieb von Beteiligungen, wohl kaum gekommen. Enttäuscht zeigten sich beide Politiker, dass im Vorfeld der Gesetzgebungsverfahren vergleichsweise wenige konstruktive Vorschläge aus der Industrie gekommen sein. Angesichts der mehr als defensiven Diskussionshaltung der Vorstandsmitglieder des BVI, Rudolf Siebel, und des AFW, Norman Wirth, eine Äußerung, die vom Publikum im Veranstaltungsverlauf an der einen oder anderen Stelle nachvollzogen werden konnte. Manches so Brinkhaus selbstkritisch, hätte man bei der Regulierung besser machen können und bedarf der Verfeinerung. So sprach er beispielsweise die Beratungsprotokolle von Folgeterminen an, die man auch pragmatischer müsse erstellen können als nach umfangreichen Erstgesprächen. Und auch beim zentralen Register für unabhängige Berater und Mitarbeiter von Banken sei man vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen. Die Entwicklung habe hier ihren Lauf genommen, nachdem eine ähnliche Verfahrensweise bereits einige Jahre zuvor für die Versicherungswirtschaft beschlossen worden sei. Nun, so Schick, müsse man sich zum einen fragen lassen, welche Daten in den zentralen Registern eigentlich erfasst werden sollen und wie welche Beschwerden bearbeitet und sanktioniert werden sollen. Den Punkt der Produktsicherheit nutzte Flossbach und von Storch Chefstratege Philipp Vorndran dazu, den Politikern, Medienvertretern und Gästen klar zu machen, wo das eigentliche Problem dieser Tage liegt: "Im klassischen Sinne gibt es gar keine sicheren Produkte mehr, allenfalls risikoarme". Vorndran erklärte, dass die verkrampfte Vorstellung des nominalen Kapitalerhalts vielen Anlegern und auch den Staatsvertretern den Blick auf den realen Erhalt der Kaufkraft und des Kapitals verbaue. An dieser Stelle sei deutlich mehr Aufklärungsarbeit gefordert. Er sparte aber auch nicht an der Selbstkritik die Branche betreffend, monierte die vollmundigen Versprechen und nahm dabei besonders die Werbung aufs Korn. "Wir sollten die Kunden endlich mit den realistisch zu erwartenden Ergebnissen konfrontieren und ihnen nicht das Blaue vom Himmel versprechen"! Zudem unterstrich Vorndran das Klumpenrisiko der Staatsanleihen innerhalb der Deckungsstöcke der Versicherer und forderte die Politiker auf, an dieser Stelle endlich umzudenken. Seine Worte fanden zweifellos Gehör. Allerdings zeigte die Reaktion der Politiker auf die Forderung, Lebens-und Rentenversicherungen den Fondssparplänen steuerlich gleich zu stellen, den enormen Druck, der hier seitens der deutschen Versicherungsindustrie aufgebaut wurde und auch den Interessenkonflikt, in dem sich politische Vertreter in diesem Punkt hinsichtlich der Refinanzierung des Staates über Anleihen befinden. Tacheles 2011, da waren sich die Besucher einig, stellte eine gelungene Weiterentwicklung der Auftaktveranstaltung im vergangenen Jahr dar. Sei es die Zusammenstellung der Diskussionsrunde oder die Möglichkeit der Gäste via TED selbst interaktiv in die Diskussion eingreifen zu können, erlebnisorientierter und pointierter kann eine Standortbestimmung der deutschen Fondsindustrie kaum sein. Es wurde deutlich, dass sich die Medien gegen den Vorwurf wehren, als populistische Krisenverstärker fungiert zu haben, aber ihrer Aufklärungspflicht nachkommen und das schlechte Image der Finanzindustrie lediglich multipliziert, nicht aber geschaffen haben. Die Politik hat in den vergangenen drei Jahren mehr reguliert, als in den Jahrzehnten zuvor. Sie überfordert die Marktteilnehmer, will aber im Feintuning nun mehr Klarheit schaffen und pragmatischer werden. Die Verbandsvertreter setzen sich für ihre Ziele hinter den Kulissen anscheinend stärker als auf der Bühne ein, was vielleicht gar nicht schlecht ist, aber von den Mitgliedern bisweilen nicht verstanden wird. Am Ende der Veranstaltung war sogar so etwas wie eine Aufbruchsstimmung zu spüren mit dem Tenor: Es ist nicht alles hoffnungslos, es bedarf vor allem mehr Aufklärung und Information. Gute Berater sind dabei der Schlüssel zum Erfolg. Und der Veranstalter Drescher&Cie freut sich einer gelungenen Veranstaltung, die 2012 eine Fortsetzung erfahren wird. Ehemalige Ankündigung: Wer Tacheles redet, spricht schnörkellos und pointiert, kommt auf den Punkt und geht auch unbequemen Thesen und Tatsachen nicht aus dem Weg. Diesem Diskussionsstil verpflichtet, lädt Drescher&Cie bereits zum zweiten Mal zu "Tacheles: Das Investmentgespräch" auf den Petersberg bei Bonn ein. Im Mittelpunkt der diesjährigen Standortbestimmung der Fondsindustrie stehen insbesondere die Regulierungsbestrebungen des Gesetzgebers und die Verunsicherung der Investoren. Welche gesetzlichen Maßnahmen wurden eingeleitet? Was ist noch geplant? Wie kommt die Branche mit den Veränderungen zurecht? Was bringen sie den Verbrauchern? Wie schwer ist das Vertrauen der Anleger in die Finanzindustrie im Allgemeinen und die Fondsbranche im speziellen beschädigt? Wie kann die Anlageform Fonds wieder Boden gut machen? Kontroverse Diskussionen profitieren im Regelfall von unterschiedlichen Standpunkten und Blickwinkeln. Ein Umstand, dem im Rahmen der Veranstaltungsplanung Rechnung getragen wurde, wie ein Blick auf die Diskussionspartner zeigt. Vertreter der Fondsbranche und ihrer Verbände tauschen ihre Meinungen und Argumente mit Repräsentanten aus Politik und Medien aus. Es diskutieren untereinander und mit ihnen:
|







